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Schüsse zwischen Israel und Libanon : Unifil: Libanesen feuerten zuerst

Israelische Soldaten auf ihrem Panzer am Ort des Gefechts an der libanesisch-israelischen Grenze. Bild: AP

Nach dem Gefecht zwischen Israel und Libanon bleiben die Truppen in höchster Alarmbereitschaft. Die UN-Schutztruppe Unifil bestätigte, die israelischen Soldaten hätten sich bei dem Gefecht auf eigenem Territorium befunden.

          An der Grenze zwischen Israel und dem Libanon wurde am Mittwoch nicht mehr geschossen, aber die Soldaten auf beiden Seiten blieben in höchster Alarmbereitschaft. Noch ist nicht endgültig geklärt, wie es am Dienstag zu dem Feuergefecht kam, in dessen Verlauf ein israelischer Offizier, zwei libanesische Soldaten und ein libanesischer Journalist getötet wurden. Klar ist nur, dass es der schwerste Grenzzwischenfall seit dem Krieg im Jahr 2006 war.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Am Mittwoch verdichteten sich die Hinweise darauf, dass die israelischen Soldaten nicht auf libanesisches Gebiet vorgedrungen waren, wie es die libanesische Armee zunächst berichtet hatte. Die Bäume, die die israelischen Soldaten stutzten, hätten sich auf israelischem Gebiet befunden, sagte am Mittwoch ein Sprecher der UN-Truppe im Libanon (Unifil).

          Die israelische Armee hatte schon in der Nacht zum Mittwoch eine Luftaufnahme vorgelegt, auf der die Position der israelischen Soldaten in deutlich erkennbarer Entfernung von der „Blauen Linie“ - der international anerkannten Grenze - markiert ist.

          Libanesische Militärpolizisten mit dem Sarg eines im Grenzgefecht getöteten Soldaten.

          Regelmäßig werden Bäume zurückgeschnitten

          Laut israelischen Angaben hatte die israelische Armee vor ihrem Aufbruch Unifil darüber informiert, dass Soldaten Routinearbeiten am Grenzzaun planten. Dieser von Israel errichtete und gewartete Zaun verläuft dort in einiger Entfernung von der eigentlichen Grenze. Regelmäßig schneiden Soldaten dort Bäume und Gestrüpp zurück, die ihre Sicht auf die libanesische Seite behindern.

          In einer ähnlichen israelischen Enklave hatte die Hizbullah im Sommer 2006 zwei israelische Soldaten entführt, worauf der Krieg mit Israel begann. Nach israelischen Presseberichten hatte Unifil am Dienstagmorgen darum gebeten, die Aktion um einige Stunden zu verschieben. Zugleich setzten die UN-Soldaten die libanesische Armee darüber in Kenntnis, wie es die Vorschriften vorsehen.

          Die Tatsache, dass die libanesische Armee in Begleitung mehrerer Journalisten am Grenzzaun präsent war, als die Israelis vorfuhren, wurde in Israel als Hinweis darauf gewertet, dass eine Provokation oder möglicherweise ein Hinterhalt geplant gewesen sei: Ein libanesischer Zeitungsjournalist wurde während des kurz darauf beginnenden Gefechts getötet, ein weiterer Reporter des Hizbullah-Senders „Al Manar“ wurde verletzt. Zudem waren offenbar Scharfschützen in Stellung, die den israelischen Kommandeur durch einen Kopfschuss getötet haben sollen.

          Unklarheit, ob es einen Hinterhalt gab

          Der israelische Verteidigungsminister Barak sagte am Mittwoch, es sei nicht sicher, ob es sich tatsächlich um einen Hinterhalt gehandelt habe. Der libanesische Generalstab und die Hizbullah hätten auf jeden Fall mit dem Vorfall nichts zu tun, bekräftigte Barak. Kobi Marom, der als israelischer Oberst lange Zeit im Libanon eingesetzt war, hält es dagegen für möglich, dass libanesische Offiziere niedrigeren Ranges einen Hinterhalt geplant oder den Konflikt gesucht haben könnten.

          „Es gibt Batallions- und Brigadekommandeure, die gute Beziehungen zur Hizbullah-Miliz unterhalten. Rund 90 Prozent der libanesischen Soldaten sind zudem Schiiten aus dem Süden des Landes“, sagt Marom.

          Der genaue Hergang des Gefechts, an dem auch Artillerie und israelische Kampfhubschrauber beteiligt waren, wurde am Mittwoch noch untersucht. Armeesprecher in Beirut sagten, ihre Soldaten hätten zuerst geschossen; angeblich waren es aber nur Warnschüsse, wie es hieß. Auch Unifil-Soldaten berichten, sie hätten gesehen, dass die Libanesen zuerst feuerten. Weitere Angaben zum weiteren Schusswechsel macht Unifil jedoch nicht.

          Die israelische Armee bekräftigt seit gestern, nur libanesisches Feuer erwidert zu haben, nannte aber keine weiteren Einzelheiten. Für Hizbullah-Führer Scheich Nasrallah war es auf jeden Fall ein „heroischer“ Kampf. Er drohte am Mittwoch damit, seine Miliz werde „bei einer neuen israelischen Aggression zurückschlagen“.

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