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Nach Präsidentschaftswahl : Schüsse in Zimbabwes Hauptstadt

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Die Lage in Harare eskaliert: Demonstranten zweifeln das Wahlergebnis an und werden offenbar von Soldaten beschossen. Bild: Reuters

EU-Beobachter bezeichnen die Wahlen in Zimbabwe als frei, doch die Anhänger der unterlegenen Opposition wittern Betrug. Jetzt haben Soldaten in Harare mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen.

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          Zwei Tage nach den Wahlen in Simbabwe haben Soldaten das Feuer auf regierungskritische Demonstranten eröffnet. Dabei soll es mehrere Tote gegeben haben. Ein Mann starb an einem Schuss in den Bauch, wie ein AFP-Fotograf am Mittwoch aus der Hauptstadt Harare berichtete. Die Menge protestierte gegen angebliche Manipulationen der ersten Wahl seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Robert Mugabe. Die Regierungspartei Zanu-PF errang Teilergebnissen zufolge die absolute Mehrheit im Parlament.

          In den Straßen um den Sitz der Wahlkommission zogen Panzer und Truppenfahrzeuge der Armee auf, Sicherheitskräfte sperrten den Sitz der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Oppositionsführer Nelson Chamisa ab. Dort hatten sich hunderte Demonstranten versammelt, um gegen die von ihnen befürchtete Manipulation der Wahl zu protestieren. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, die Demonstranten schleuderten Steine.

          Ein Reporter des afrikanischen Fernsehsender ENCA teilte auf Twitter mehrere Video aus Harare, in denen zu sehen ist, wie Menschen vor Militärfahrzeugen wegrennen und Schüsse zu hören sind. Der Sender berichtet davon, dass immer mehr Soldaten in die Stadt gebracht werden.

          Präsident Emmerson Mnangagwa rief angesichts der Proteste zu „Frieden“ auf. „Wir müssen Geduld und Reife beweisen“, bis die endgültigen Ergebnisse des Urnengangs vorlägen, schrieb der 75 Jahre alte Mann auf Twitter. Mnangagwas Partei habe mindestens 110 der 210 Sitze im Abgeordnetenhaus sicher, teilte die Wahlkommission mit. Die MDC kam demnach nur auf 41 Mandate. Die Wahlkommission legte die Ergebnisse für 153 von insgesamt 210 Wahlkreisen vor, die Auszählung der restlichen dauerte noch an.

          Kandidaten zeigten sich beide siegesgewiss

          Der Ausgang der zeitgleich abgehaltenen Präsidentschaftswahl wird nach Angaben der Wahlkommission womöglich erst am Freitag oder Samstag bekannt gegeben werden, erste Teilergebnisse wurden jedoch für Mittwoch erwartet. Sollte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit errungen haben, soll am 8. September eine Stichwahl stattfinden.

          Chamisa erklärte, die Präsidentschaftswahl sei manipuliert worden. Ziel sei es, Simbabwe „mental darauf vorzubereiten, die gefälschten Präsidentschaftswahlergebnisse zu akzeptieren“, schrieb der Oppositionskandidat bei Twitter. „Wir haben die Wahl des Volkes gewonnen und werden das verteidigen!“

          Unmittelbar nach dem Urnengang hatten sich sowohl Mnangagwa als auch der 40 Jahre alte Chamisa siegesgewiss gezeigt. Die Zanu-PF herrscht seit 1980 in dem südafrikanischen Land. Die Abstimmung am Montag war die erste freie Wahl in Simbabwe seit etwa vier Jahrzehnten. Nach Mugabes Sturz im vergangenen November gingen die Bürger weitgehend friedlich zu den Urnen.

          Nach Ansicht der EU-Wahlbeobachter ist die Präsidentschaftswahl frei abgelaufen, aber die Abstimmung war nicht fair. Der Missbrauch staatlicher Ressourcen, die Einschüchterung von Wählern und die parteiische Berichterstattung der staatlichen Medien zugunsten der Regierung und Präsident Emmerson Mnangagwa hätten wahre Chancengleichheit verhindert, erklärte der Leiter der EU-Wahlbeobachter, Elmar Brok, am Mittwoch.

          Beobachtern zufolge ist es ungewiss, ob das Militär einen Sieg der MDC akzeptieren würde, nachdem es Mugabe gestürzt und Mnangagwa ins Amt gebracht hatte. Wer auch immer die Wahlen in Simbabwe gewinnt, steht vor enormen Herausforderungen. Das Land leidet unter Massenarbeitslosigkeit, Hyperinflation und der Abwanderung von Investoren und verfügt seit der Massenenteignung weißer Farmer nicht mehr über eine effiziente Landwirtschaft.

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