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Schüsse in Kopenhagen : Die unerträgliche Sinnlosigkeit

Ein Rettungswagen vor dem Einkaufszentrum Field’s in Kopenhagen Bild: EPA

Warum hat ein 22 Jahre alter Däne in einem Kopenhagener Einkaufszentrum um sich geschossen? Die Menschen in Dänemark warten auf Antworten.

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          Am Montag bleiben die Türen für die Öffentlichkeit verschlossen. Zahlreiche Journalisten müssen vor den massiven Säulen des Gerichts in der dänischen Hauptstadt ausharren. Drinnen sitzt der Mann, der am Abend zuvor in einem Kopenhagener Einkaufszentrum um sich geschossen haben soll. Es ist die gerichtliche Anhörung vor einem Haftrichter, die ihm zusteht. Die Anklage wird verlesen. In drei Fällen wird ihm vorsätzliche Tötung vorgeworfen und in sieben weiteren der Versuch der vorsätzlichen Tötung. Dann schließen sich die Türen. Und zumindest die Öffentlichkeit muss weiter warten auf eine Antwort auf die Frage: warum?

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Am Sonntagabend hat der 22 Jahre alte Däne das Gewehr über seine Schulter gelegt. Ein Augenzeuge filmt, wie er in dem Einkaufszentrum in Kopenhagen herumstreift. Die kurze Cargohose reicht ihm über die Knie, er trägt ein ärmelloses dunkles Oberteil. Es knallt in dem Video. Drei Menschen sind wenig später tot, zwei 17 Jahre alte jugendliche Dänen und ein 47 Jahre alter Mann mit russischem Pass, der in Dänemark gelebt hat. Vier werden lebensgefährlich durch Schüsse verletzt, drei erleiden Streifschüsse, und viele mehr verletzen sich zumindest leicht, auch auf der Flucht vor dem Schützen.

          „Er schien sehr stolz auf das zu sein, was er tat“

          Mahdi Al-Wazni, der das Video von dem mutmaßlichen Täter aufgenommen hat, sagt dem Sender TV 2 später, er habe dem Mann direkt gegenübergestanden. „Er wirkte sehr gewalttätig und wütend“, sagt er. Fast eine Minute habe der Mann mit dem Gewehr dagestanden, bevor er weitergegangen sei. „Er schien sehr stolz auf das zu sein, was er tat.“

          Der Sonntag sollte in Dänemark eigentlich der Tour de France gehören. Es ist die dritte und letzte Etappe durch das Königreich, Hunderttausende Dänen stehen an den Straßen und jubeln. Es ist ein großes Fest. Doch fast auf die Minute genau, als die Fahrer ins Ziel in Sønderborg im Süden des Landes sprinten, erhält die Polizei erste Meldungen über Schüsse in Kopenhagen. Der Mann läuft mit seinem Gewehr durch das Field’s-Einkaufszentrum, ein Shopping-Ungetüm direkt an der Metro auf der Insel Amager im Südosten von Kopenhagen.

          Es soll eines der größten Einkaufscenter in Skandinavien sein, das Viertel drum herum wächst noch, und nur ein paar Minuten entfernt liegt der Flughafen. Ein großes Konzert des Popstars Harry Styles soll wenig später in der Nähe beginnen, ausverkauft natürlich. Viele im Einkaufszentrum wollen offenbar nur noch kurz vor dem Konzert etwas essen, als der Mann zu schießen beginnt.

          Die Zeitung „Berlingske Tidende“ zitiert später Augenzeugen. Einer stand in einem Modegeschäft, als er es knallen hörte. Die Menschen seien in Panik geraten, hätten geschrien und geweint. Andere erzählen, wie ihnen Menschen schreiend entgegengelaufen seien. Manche hätten gehinkt, weil sie offenbar gestürzt seien. Die Polizei habe gerufen, dass sie um Himmels willen laufen sollten, weil der Mann mit dem Gewehr wieder begonnen habe zu schießen. Aus den Drehtüren seien Menschen mit erhobenen Händen gekommen, um zu zeigen, dass sie keine Waffen haben.

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