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Schüsse in Dallas : Das Motiv war Hass gegen Weiße

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Der Schock sitzt tief: Eine Polizistin bewacht in Dallas am Freitagmorgen den Ort, an dem auf elf Polizisten geschossen wurde. Bild: AP

Nach den tödlichen Schüssen auf Polizisten bei einem Protestmarsch in Dallas hat einer der Verdächtigen zugegeben, dass er vor allem weiße Polizisten treffen wollte. Drei weitere Verdächtige sind noch in Gewahrsam, die Polizei ermittelt.

          Am Tag nach den Schüssen bei einem Protestmarsch gegen Rassismus, bei der vier Polizeibeamte getötet wurden, werden neue Details zur Tat bekannt. Einer der Verdächtigen, der sich in dem Parkhaus einer Universität verschanzt hatte, soll aus Hass gegenüber weißen Polizeibeamten gehandelt haben. Er habe während den Verhandlungen mit der Polizei gesagt, dass er verärgert gegenüber die Akte von Polizeigewalt gegen Schwarze, „verärgert über weiße Menschen“ sei, sagte Brown, der Chef der Polizei von Dallas, am Freitagmorgen (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz.

          Die Polizei habe über mehrere Stunden in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit dem Verdächtigen verhandelt, danach sei es zu einem Schussabschlag gekommen. Auch habe der Verdächtige angedroht, dass er Weiße töten wolle, besonders weiße Polizeibeamte. Die Polizei habe keine andere Wahl gehabt, als den Verdächtigen zu töten, sagte Brown. Dazu hätten die Beamten einen Roboter, beladen mit einer Bombe, ins Versteck des Verdächtigen gesendet und hochgehen lassen. Bei allen anderen Optionen wäre die Gefahr für die Polizisten zu hoch gewesen, sagte Brown.

          Drei weitere Verdächtige werden verhört

          Weiter habe der Verdächtige bei den Verhandlungen angegeben, alleine zu arbeiten und nicht als Teil einer Gruppe zu agieren. Die Polizei nahm aber bereits in der Nacht zu Freitag drei weitere Verdächtige fest: Eine Frau, die sich in der Nähe des Parkhauses aufgehalten hatte, und zwei Männer, die nach einer Verfolgungsjagd auf der Autobahn gestellt wurden. Zu den festgenommenen Verdächtigen äußerte sich die Polizei jedoch nicht, die Ermittlungen würden noch laufen. Falls es weitere Komplizen gebe, werde man sie finden, sagte Brown.

          Am Donnerstagabend (Ortszeit) waren während eines Protestmarsches gegen Polizeigewalt im zentral gelegenen Belo Garden Park elf Polizisten beschossen worden. Drei starben sofort, zwei weitere erlagen später ihren Verletzungen, wie die die Polizei mitteilte. Einer der Beamten war nicht für die Polizei Dallas, sondern für die Verkehrsgesellschaft DART im Einsatz. Der Verdächtige, der inzwischen tot ist, hatte außerdem angekündigt, Bomben in der Stadt verteilt zu haben. Die Polizei fand bei ihrer Durchsuchung allerdings keine Sprengsätze.

          Die meisten Verletzten wieder entlassen

          Insgesamt wurden elf Polizisten von Heckenschützen beschossen. Sechs Polizisten seien teils schwer verletzt worden. Ein Zivilist wurde ebenfalls verwundet. Am Freitagmorgen teilte Brown mit, dass die meisten der Verletzten inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurden, einige von ihnen würden allerdings Nachuntersuchungen benötigen.

          Anlass der Demonstration am Donnerstagabend waren die Fälle Philando Castile und Alton Sterling, zwei Afroamerikaner, die beide in den vergangenen Tagen durch Polizeigewalt umkamen. Castile wurde bei einer Verkehrskontrolle im Bundesstaat Minnesota von einem Polizisten angeschossen und verblutete daraufhin. Sterling wurde am Tag davor auf dem Parkplatz eines Supermarktes im Bundesstaat Louisiana festgenommen. Ein Polizist erschoss ihn dabei aus nächster Nähe. Beide Fälle wurden auf Video festgehalten und sorgten für eine landesweite Protestwelle.

          „Uns geht es um Gerechtigkeit“

          Die Verlobte von Castile äußerte sich am Freitagmorgen gegenüber dem Fernsehsender „CNN“ zu den Ereignissen in Dallas. Was in Dallas passiert ist, sei nicht von Minnesota ausgegangen, sagte sie. „Uns geht es um Gerechtigkeit.“ In den Vereinigten Staaten kochen Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze immer wieder hoch, bei den Protesten kommt es regelmäßig zu Gewaltausschreitungen.

          Auch Präsident Barack Obama hatte die Schüsse auf Polizisten am Freitagmorgen aus Warschau verurteilt.

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