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Schüsse auf kanadisches Parlament : Angriff auf die Idylle

  • Aktualisiert am

Ottawas beschauliches Regierungsviertel ist täglich Ziel für tausende Touristen. Bild: AFP

Warum Kanada? Zwei Angriffe innerhalb von 48 Stunden erschüttern das beschauliche Vorzeigeland für fortschrittliche Politik und globales Engagement.

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          „Mama, mir geht es gut. Ich verstecke mich“, twitterte Michelle Rempel aus Ottawa. Die 34-Jährige ist Abgeordnete im kanadischen Parlament, am Mittwoch wurde auch sie angegriffen.

          Medienberichten zufolge kamen die Schüsse, durch die zunächst ein Soldat am nahegelegenen Weltkriegsdenkmal zu Tode kam, von mehreren Tätern. Die Hintergründe: völlig rätselhaft. Doch im Verdacht stehen - erneut - Islamisten. Denn Kanada beteiligt sich am Luftkrieg gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die Syrien und den Irak terrorisieren.

          Kanadas Regierungsviertel ist beschaulich. Nichts erinnert an das abgeriegelte Weiße Haus oder das zur Festung umgebaute Capitol in Washington. Und auch das äußerlich ähnliche Parlament in London ist nicht so einfach zu betreten wie das in Ottawa. Jeden Tag lassen sich tausende Touristen mit den Wachen fotografieren oder machen eine Tour durch das Gebäude, in dem Fremdenführer mit roter Weste fast alle Türen öffnen. Einige gehen vielleicht sogar zum Denkmal für die Kriegstoten, an dem Soldaten Ehrenwache halten.

          Musterschüler für Entwicklungshilfe und Engagement

          Einer dieser Soldaten wurde am Mittwochmorgen niedergeschossen. Passanten leisteten Erste Hilfe, doch drei Stunden später starb der Reservist im Krankenhaus. Vom Tatort - so berichteten Augenzeugen - rannte ein mit einem Gewehr bewaffneter Mann davon. Wenig später hallten Schüsse durch die hohen Gänge des Parlamentsgebäudes.

          „Mindestens 30 Schüsse während der Sitzung. Wir sind in Sicherheit, aber es ist noch nicht vorbei“, twitterte der Abgeordnete Tony Clement. Während des Angriffs war auch Premier Stephen Harper im Gebäude, er wurde sofort in Sicherheit gebracht. Dann wurde eine weitere Schießerei gemeldet, in einem nahen Einkaufszentrum. Unklar war zunächst, ob es einen Zusammenhang gab.

          Die Polizei wies alle Bewohner in dem Viertel an, sich von Fenstern und Dächern fernzuhalten. Häuser wurden durchsucht, Autos angehalten, auch Stunden nach dem Angriff glich der Parlamentshügel noch einem abgeriegelten Heerlager. Ein Angreifer soll nach Medienberichten getötet worden sein, aber eine Bestätigung gab es vorerst nicht. Auch keine Antwort auf die vielleicht wichtigste Frage: War es ein Einzeltäter oder ein Komplott, ein lang geplanter Angriff auf Kanada? Erst am Montag hatte ein Mann zwei Soldaten überfahren, einer starb. Der Täter war ein Islamist, gegen ihn galt ein Ausreiseverbot.

          Warum Kanada? Das Land gilt als Musterschüler mit Entwicklungshilfe, großem UN-Engagement und fortschrittlicher Politik. Es ist aber auch ein enger Verbündeter der Vereinigten Staaten, und Harper gilt als Freund Israels. Muslimischen Ländern streckt er zwar immer die Hand aus. Er sagt aber auch deutlich, dass Muslime selbst gegen den Terror aus ihren Reihen vorgehen müssten. In den vergangenen Jahren hat sich das Verhältnis zu muslimischen Ländern abgekühlt.

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