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Schottlands Unabhängigkeit : Der blutige Schlachterkittel

Ein Grund, warum damals 55 Prozent der Schotten gegen die Unabhängigkeit stimmten, war das Argument der pro-britischen Gegenseite, dass nur die Mitgliedschaft im Vereinigten Königreich einen Verbleib in der EU garantiere. Nun ist alles genau anders herum gekommen. Großbritannien verlässt die EU. Und die Schotten wittern eine zweite Chance. Allerdings denken sie dabei weniger an den Verbleib in der Europäischen Union, sondern viel mehr an die eigene Unabhängigkeit.

Die einzigen, die einen Plan haben

„Wir müssen jetzt alle Wege erkunden“, sagt der SNP-Abgeordnete Stuart McDonald. Er sitzt seit 2015 im Parlament von Westminster und ist dort einer von 59 schottischen Vertretern. Nach einer hitzigen Sitzungswoche ist er gerade wieder aus London zurück nach Edinburgh gekommen. „Die Tories sind derzeit komplett aus dem Spiel, Labour zerlegt sich selbst, und wir sind die einzigen, die einen Plan haben“, sagt McDonald.

Deshalb habe seine SNP-Fraktion auch den Antrag beim Parlamentspräsidenten gestellt, die Labour Party als „offizielle Opposition“ im Unterhaus abzulösen. Der umstrittene Labour-Parteichef Jeremy Corbyn weiß mittlerweile weniger Abgeordnete hinter sich als sein Pendant von der SNP. „Wir wollten das einfach jedermann vor Augen führen“, sagt McDonald. Zum Unabhängigkeitsreferendum habe die SNP ein 200 Seiten umfassendes Papier mit Plänen vorgelegt, während die Tories und die Labour Party jetzt zum Brexit-Votum „nur einen schwarzen Umschlag hatten, von dem wir bis heute nicht wissen, was drin ist“.

Regierungschefin Nicola Sturgeon.
Regierungschefin Nicola Sturgeon. : Bild: dpa

Nach der Brexit-Entscheidung befürworten die Schotten laut Umfragen der vergangenen Tage mit zwischen 54 bis 59 Prozent eine Unabhängigkeit ihres Landes. Doch Regierungschefin Sturgeon weiß, dass das sehr knapp ist und Umfragen volatil sind. Ein mögliches zweites Referendum muss sitzen.

In zweieinhalb Jahren vielleicht das nächste Referendum

Deswegen zeigt sie keine Eile mit der Unabhängigkeit, demonstriert aber Entschlossenheit. Wenige Tage nach dem Referendum reiste sie nach Brüssel, um dort über den weiteren Zugang zum Binnenmarkt zu verhandeln und um zu zeigen, dass Schottland handlungsfähig ist – ganz im Gegensatz zur Chaos-Regierung von Westminster. Der Abgeordnete McDonald sagt, in zweieinhalb Jahren, wenn die Austrittsverhandlungen Londons mit Brüssel abgeschlossen sein dürften, könne er sich ein neues Unabhängigkeitsreferendum gut vorstellen.

Die Unabhängigkeitsfrage klebt in der schottischen Politik an allem, und die SNP ist darauf bedacht, dass dies auch so bleibt. Keine Frage zum Brexit wird ohne einen Verweis auf „Independence“ beantwortet. „Man kann das auch gar nicht trennen“, sagt McDonald. Er ist 38 Jahre alt und hat einen Anstecker mit verschränkten Fahnen der EU und Schottlands auf sein Jackett gesteckt. „Wenn wir über unsere Gesundheitspolitik in Schottland reden, dann liegt die Bilanz darüber natürlich auch an dem Geld, das uns London überweist – und das übrigens immer weniger wird.“ Gleiches gelte für alle anderen Politikfelder. „Es ist schwer, ohne Unabhängigkeit zu regieren, wenn London den Rahmen bestimmt.“

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