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Menschenschmuggel : Die neuen Methoden der Schlepperbanden

Flüchtlinge in einer Turnhalle im süditalienischen Gallipoli Bild: AFP

Die Schlepperbanden, die Flüchtlinge über das Meer nach Europa bringen, haben immer weniger Skrupel – und immer ausgefeiltere Methoden. Ihre Strategie lässt auf erkleckliche Gewinnspannen schließen.

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          Auf der Adria findet in diesem Winter eine Seeschlacht statt, bei der beide Parteien immer stärker aufrüsten. Die Gegner sind die EU, vertreten durch die europäische Grenzschutzagentur Frontex, und internationale Schlepperbanden. Die Banden haben schon Hunderttausenden aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika gegen Bezahlung den Weg in die „Festung Europa“ gewiesen. Freilich lassen sich die Grenzen zum europäischen Paradies nicht leicht überwinden, die illegale Reise dorthin ist teuer und kann lebensgefährlich sein.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Vor Italiens Küste hätte eine solche Reise gleich in den ersten Stunden des neuen Jahres beinahe ein tödliches Ende genommen: Am Neujahrstag teilte die italienische Küstenwache mit, dass ein von seiner Besatzung verlassenes Handelsschiff mit mehr als 400 Flüchtlingen an Bord auf die italienische Küste zutreibe. Ein Flugzeug der italienischen Küstenwache hatte den Menschenfrachter entdeckt. Damit begann das neue Jahr so, wie das alte geendet hatte: Am Mittwoch wurde aus Italien gemeldet, dass mehr als 750 vor allem aus Syrien stammende Flüchtlinge von einem anderen führerlosen Frachter vor der italienischen Küste gerettet worden seien. Das Schiff war nach ersten Erkenntnissen an der Westküste Griechenlands abgefahren und auf hoher See von seiner Besatzung verlassen worden. Vor der Küste Korfus hatte die Besatzung offenbar noch einen Notruf abgesetzt, um auf das Schiff aufmerksam zu machen. Ohne rechtzeitige Entdeckung wäre es womöglich an der Küste Italiens zerschellt und hätte die Passagiere in den Tod gerissen.

          Grenzen sichern statt Leben retten 

          Als „brutale Banden“ und „skrupellose Geschäftemacher“ bezeichnen europäische Politiker daher die Menschenschmuggler. Menschenrechtler halten dem entgegen, nicht allein die Menschenschmuggler seien brutal und skrupellos, sondern auch die Regeln einer europäischen Flüchtlingspolitik, die sich gegen die Not der Flüchtenden abschottet und diese erst zwinge, sich auf lebensgefährliche Umwege einzulassen.

          Bisher galten die Wintermonate meist als ruhigere Zeit im Kampf von Grenzschützern gegen Grenzüberwinder. Doch seit Wochen zeichnete sich ab, dass es in diesem Winter anders werden würde. Das hat auch mit dem Ende des italienischen Seenotrettungseinsatzes „Mare Nostrum“ zu tun. Durch diese „wurden nach Angaben der Organisation „Pro Asyl“ in nur einem Jahr 130000 Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Die „Operation Triton“ hat jedoch ein anderes Mandat. Bei ihr geht es nicht mehr vordringlich um die Rettung von Menschenleben, sondern um Grenzsicherung. „Triton“ wird nur unmittelbar vor der italienischen Küste tätig. Als Antwort schicken die Schlepperbanden nun anders als früher nicht mehr kleine Beiboote, sondern gleich ganze Frachter mit Flüchtlingen vor die Küste.

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