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Schlag gegen „Schatten-Gouverneure“ : Weitere Taliban-Festnahmen in Pakistan

Gespannte Lage in Pakistan: Paramilitär in Karachi Bild: AFP

In Pakistan sind offenbar zwei weitere wichtige afghanische Taliban-Führer festgenommen worden. Bei einer Explosion in einem Gebäude der islamistischen Lashkar-e-Islam wurden derweil mindestens 25 Menschen getötet.

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          In Pakistan sind offenbar zwei weitere wichtige afghanische Taliban-Führer festgenommen worden. Nach verschiedenen Medienberichten, die sich auf Angaben offizieller Quellen in beiden Ländern beriefen, wurden die Taliban-„Schatten-Gouverneure“ der afghanischen Provinzen Kundus und Baghlan, Mullah Abdul Salam und Mullah Mohamed, von pakistanischen Sicherheitskräften gefasst. Der Gouverneur von Kundus, Mohammed Omar hatte Mullah Salam noch am Mittwoch den „mächtigsten Kommandeur in unserer Region“ genannt.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Ein pakistanischer Sicherheitsbeamter berichtete der amerikanischen Nachrichtenagentur AP, es habe zuvor entsprechende Hinweise des ebenfalls gefassten Taliban-Militärchefs Mullah Baradar gegeben. Über den Ort der Festnahmen wurden widersprüchliche Angaben gemacht. Die Rede war sowohl vom pakistanischen Quetta, wo das Führungsorgan der Taliban, die sogenannte Quetta-Schura, sitzt, als auch von der pakistanischen Stadt Faisalabad. Die Taliban dementieren sämtliche Festnahmen.

          Offensive gegen Taliban in Helmand dauert an

          In der südlichen Provinz Helmand führten die afghanischen und internationalen Truppen ihre Großoffensive gegen die Taliban fort. Symbolisch wurde auf dem Marktplatz der früheren Taliban-Hochburg Mardschah die afghanische Flagge gehisst. Die „Regierung im Wartestand“ könne nun ihre Arbeit aufnehmen, sagte ein amerikanischer Offizier dem arabischen Fernsehsender „Al Dschazira“. Afghanische Militärs sagten hingegen, dass dies erst Ende kommender Woche geschehen werde. Der britische Brigade-General Tremblay wurde mit den Worten zitiert, dass die meisten Ziele der Operation „Mushtarak“ (Gemeinsam) erreicht seien. Die Internationale Schutztruppe (Isaf) wende sich nun der Aufgabe zu, „Widerstandsnester“ im Westen des Distrikts Mardschah auszuheben. Die Isaf meldete in der Nacht zu Donnerstag den Tod eines weiteren Soldaten. Damit fielen seit Beginn der Offensive am vergangenen Wochenende mindestens fünf ausländische Soldaten. Ein Reporter der Zeitung „New York Times“ berichtete von professionell geführten Scharfschützenangriffen der Taliban auf amerikanische Soldaten in der Distrikthauptstadt Mardschah.

          Im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet kommt es häufig zu Anschlägen und Straßenblockaden
          Im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet kommt es häufig zu Anschlägen und Straßenblockaden : Bild: REUTERS

          Unterdessen wurden nach Agenturberichten bei einem Nato-Luftangriff im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden Afghanistans am Donnerstag versehentlich sieben afghanische Polizisten getötet. Die afghanische Polizei und Augenzeugen berichteten demnach, ein Polizeifahrzeug sei von einem Kampfflugzeug angegriffen worden. Ein Nato-Sprecher in Kabul teilte mit, der Vorfall werde geprüft. Einheimische und Nato-Truppen hatten nach Angaben der dortigen Sicherheitskräfte am Morgen im Bezirk Imam Sahib in der Provinz Kundus eine gemeinsame Operation gegen die Taliban begonnen. Gouverneur Mohammed Omar kündigte an, eine Delegation in die Region zu entsenden, die den Vorfall zu untersuchen soll. Das Verteidigungsministerium in Berlin teilte am frühen Donnerstagabend mit, der Vorfall werde geprüft. Nach derzeitigem Stand seien deutsche Kräfte nicht beteiligt.

          Tote bei Anschlag in Pakistan

          Bei einem Bombenanschlag auf einem Marktplatz in den pakistanischen Stammesgebieten sind am Donnerstag zwölf Personen getötet worden. Mehr als 30 Personen wurden nach Angaben der Sicherheitskräfte verletzt, eine Moschee und mehrere Geschäfte beschädigt. Geheimdienstmitarbeiter vermuteten einen Streit rivalisierender islamistischer Gruppen hinter der Tat. Der Anschlag erschütterte ein Dorf, durch das die Versorgungsrouten der Nato für die internationalen Truppen im benachbarten Afghanistan verlaufen.

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