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Schiiten im Irak : Im Land der brennenden Herzen

Emotional aufgewühlt: Trauernde beim Begräbnis des Oppositionsaktivisten Ihab al-Wazni am 9. Mai im Imam-Hussein-Schrein in Kerbela Bild: AFP

Die Schiiten im Irak sind zerstritten wie das nahöstliche Land selbst. Not, Korruption und erbitterte politische Machtkämpfe verschonen auch ihre heiligsten Pilgerstätten nicht. Und die Wut über den miserablen wirtschaftlichen Zustand des Landes ist groß.

          10 Min.

          Jeden Tag spürt der Alte die Gegenwart seines toten Sohnes, als lebe er mit dessen Geist zusammen. „Harith ist noch immer unter uns, hier in diesem Haus“, sagt Abid al-Sudani. Er ist ein einfacher Mann mit harten Gesichtszügen, der durch ausgedünnte Zahnreihen spricht. Sein Sohn Harith ist ein Held. Ein Meisterspion der „Falken“, einer Eliteeinheit des irakischen Geheimdienstes. Als der „Islamische Staat“ (IS) noch weite Teile des Iraks beherrschte und der Terror seiner Selbstmordattentäter in kurzen Abständen die Hauptstadt Bagdad erschütterte, infiltrierte Hauptmann Hartih al-Sudani die dschihadistische Organisation. Er verhinderte Dutzende Selbstmordanschläge, lenkte die Todessehnsüchtigen in die Fänge der Agenten, die dann Explosionen vortäuschten oder Falschmeldungen verbreiteten, damit Hariths Tarnung hielt.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Doch die Dschihadisten wurden irgendwann misstrauisch. Sie verwanzten in den letzten Tagen des Jahres 2016 einen mit Sprengstoff vollgepackten Pritschenwagen, den Harith am Jahreswechsel dann wieder einmal nicht an seinen Bestimmungsort steuerte. Harith flog auf, wurde in eine Falle gelockt. Im August 2017 veröffentlichte der IS ein Video, das die Enthauptung mehrerer Gefangener zeigte. Einer davon war Harith.

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