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USS „John S. McCain“ : Kommando Untergang

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Zerstörer USS „John S. McCain“ nach der Kollision mit einem Tankschiff. Bild: AP

Gleich zweimal havarierten im vergangenen Sommer amerikanische Kriegsschiffe im Pazifik - Siebzehn Seeleute starben. Jetzt hat die Navy einen Untersuchungsbericht vorgelegt: Was an Bord geschah, war abenteuerlich.

          Die Sicht ist gut und die See ruhig, als in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni 2017 der Frachter „Crystal“ die USS „Fitzgerald“ rammt. Der mehr als doppelt so große philippinische Frachter durchbohrt die Steuerbordseite des amerikanischen Zerstörers. Innerhalb einer Minute werden die Aufenthaltsräume der Besatzung im Unterdeck geflutet. 28 Soldaten gelingt es gerade noch, das rettende Oberdeck zu erreichen. Sieben Seeleute ertrinken. Als Taucher am nächsten Tag ihre Leichname aus dem Bauch des Zerstörers bergen, fragen Beobachter weltweit, wie es sein kann, dass ein 150 Meter langer Zerstörer mitten im Pazifik mit einem Frachter zusammenstößt. Zwei Monate später wird das Erstaunen noch größer, denn der Vorgang wiederholt sich. Diesmal kollidiert die baugleiche USS „John S. McCain“ vor dem Hafen von Singapur mit einem Tankschiff. Mehrere Abteilungen werden geflutet. Zehn Soldaten kommen ums Leben.

          Siebzehn tote Seeleute und zwei schwerbeschädigte Kriegsschiffe innerhalb weniger Wochen – wie kann der angeblich besten Marine der Welt so etwas passieren? Die U.S. Navy hat dazu einen Untersuchungsbericht vorgelegt. Das Ergebnis: An Bord der beiden Schiffe herrschten bis hinauf zum Kommandanten haarsträubende Ausbildungsmängel und unfassbare Inkompetenz. So konnte der wachhabende Offizier auf der „Fitzgerald“ nicht korrekt navigieren und mit dem Radar umgehen, während der ranghöchste Offizier auf der „John S. McCain“ der Ansicht war, das Schiff in der Hafenanfahrt besser manuell als automatisch zu führen, und damit unter der mit diesem Manöver nicht vertrauten Besatzung für völlige Konfusion sorgte.

          Die Flotte ist an ihre Belastungsgrenze gelangt

          Der Navy-Bericht zeigt allerdings auch, dass diese Mängel nur die Symptome eines noch viel größeren Problems der amerikanischen Pazifikflotte sind. In der amerikanischen Außenpolitik spielt die Flotte eine Schlüsselrolle in den Konflikten um das nordkoreanische Atomprogramm und das Vordringen Chinas im Ost- und Südchinesischen Meer. Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping spricht inzwischen offen von einem „blutigen Kampf gegen unsere Feinde“, den sein Land zu führen bereit sei. Das richtet sich vor allem gegen die Vereinigten Staaten. Deren Pazifikflotte ist an ihre Belastungsgrenze gelangt: Die wachsenden Konflikte in der Region binden große Teile der gut 200 überwiegend in Japan und auf Hawaii stationierten Schiffe, Boote und Flugzeuge. Für die sorgfältige Ausbildung der Besatzungen bleibt immer weniger Zeit. Wozu das führen kann, zeigt das Unglück der USS „Fitzgerald“ am 17. Juni 2017.

          Die „Fitzgerald“, ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse, ist 154 Meter lang und 20 Meter breit. Das Schiff ist Teil des amerikanischen Raketenabwehrschirms und mit Lenkflugkörpern bewaffnet. Schon im Mai vorigen Jahres war es beinahe mit einem Frachter kollidiert. Darum soll die „Fitzgerald“ am 16. Juni von ihrem Heimathafen Yokosuka aus auf den Pazifik fahren und die Besatzung mehrere Tage lang das Navigieren üben. Was dann geschieht, liest sich in dem Bericht so: Um 23 Uhr beendet Kommandant Bryce Benson den ersten Ausbildungstag und verlässt die Brücke, auf der sich die wichtigen nautischen Geräte zum Manövrieren des Schiffes befinden.

          Dazu zählen Kompass und Radarbildschirm, Funkgeräte und die Steuerung der Maschine. Kurz nach dem Kommandanten verlässt auch sein Stellvertreter, der Erste Offizier, die Brücke – obwohl klar ist, dass die „Fitzgerald“ in den kommenden Stunden unter der japanischen Küste und damit in dicht befahrenem Gebiet unterwegs sein würde. Dort ist die Gefahr einer Kollision besonders groß und die Anwesenheit des Kommandanten oder des Ersten Offiziers auf der Brücke eigentlich erforderlich. Doch nun ist dort nur noch der Wachoffizier mit seiner fünfköpfigen Mannschaft.

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