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Schiffskonvoi vor Gaza : Und Al Dschazira ist immer dabei

  • -Aktualisiert am

Israelische Soldaten gehen an Bord der „Sfendoni” Bild: AP

Lange wurde der Schiffskonvoi mit Hilfsgütern für Gaza vorbereitet. An Bord sind unter anderen: Ein weltbekannter Schriftsteller, ein amerikanischer Diplomat außer Dienst und eine pensionierte Mathematiklehrerin.

          Khalid Turaani, 48 Jahre alt, Geschäftsmann und amerikanischer Staatsbürger, geboren in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Syrien, hat gerade die Renovierungsarbeiten an der „Sfendoni“ inspiziert. „Steinschleuder“ heißt das Schiff, in Anspielung auf die „Intifada“. Als Kontrast zum Namen sieht es aus wie ein Ausflugsboot ins Neckar- oder Maintal, mit Platz für knapp hundert Menschen. Ort: der Hafen von Piräus. In einem anderen Athener Hafen liegt noch das Frachtschiff „Eleftheri Mesogeios“ (“Freies Mittelmeer“), das Hilfsgüter für den Gazastreifen laden soll. 1400 Tonnen Hilfsgüter lagern auf dem Kai im Frachthafen: hauptsächlich Bauteile für Fertighäuser aus Holz, mehrere hundert elektrische Rollstühle, Medikamente und zwei komplette Wasseraufbereitungsanlagen. „Steinschleuder“ und „Freies Mittelmeer“ wollen sich mit anderen Schiffen aus der Türkei, Griechenland, Schweden, Irland, Deutschland vor Zypern treffen und dann gemeinsam Gaza ansteuern.

          Die Teilnehmer: Aktivisten diverser propalästinensischer Gruppen, dazu Journalisten und Leute aus Deutschland, Belgien, Schweden, der Tschechischen Republik, Bulgarien, Italien und natürlich Al Dschazira haben sich auf der „Sfendoni“ versammelt. Schließlich einige als prominent eingestufte Teilnehmer aus Amerika wie etwa der ehemalige Irak-Botschafter Edward L. Peck oder der Navy-Veteran Joe Meadors, der 1967 auf der U.S.S. Liberty den Angriff israelischer Kampfflugzeuge überlebte. Khalid Turaani übernimmt die Regie. Er war Campaigner in Illinois, Wisconsin und Ohio für George W. Bush vor dessen erster Wahl zum Präsidenten und hat bei der zweiten Wahl in der Organisation „Arab-American Republicans Against Bush“ gegen den Amtsinhaber gearbeitet. Er steht der Organisation „American Muslims for Jerusalem“ als Präsident vor. Seit kurzem residiert er in Brüssel. Sein Partner und Vorgesetzter in Europa ist der in London lebende palästinensische Arzt Arafat Shoukri.

          Sicherheitsanweisungen, falls Israel angreift

          „Safety Instructions“ sollen auf etwaige Aktionen der israelischen Marine gegen den Konvoi vorbereiten. Israels Regierung hat ein konsequentes Vorgehen gegen die „Freedom Flotilla“ angekündigt und spricht von „Piratentum“. Mehrere NGO-Vertreter appellieren an Gewaltlosigkeit, man solle sich nicht provozieren lassen.

          Die „Mavi Marmara” vor dem Auslaufen in Richtung Gaza

          Dror Feiler, der schwedische Vertreter und Vorsitzende der „Jews for Israeli-Palestinian Peace“ ist 58 Jahre alt, Musiker. Er stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie, ist in Tel Aviv geboren, war Fallschirmjäger bei der israelischen Armee und einer der ersten Kriegsdienstverweigerer, die den Dienst in den von Israel besetzten Gebieten Palästinas verweigerten. Feiler ist maßgeblich am Kauf des Schiffes „Eleftheri Mesogeios“ als griechisch-schwedische Gemeinschaftsaktion beteiligt gewesen, er hat Gelder und Unterstützer gesammelt. Er berichtet, dass die israelische Regierung vorhabe, den Konvoi zu stoppen und Gefängniszellen für die festzunehmenden Blockadegegner bereithalte. Feiler kündigt an, dass der schwedische Schriftsteller Henning Mankell in Zypern zum Konvoi stoßen wird. Für Feiler, der sich selbst ironisch als Anarchokommunist bezeichnet, könnte diese Aktion den Start in die Politik bedeuten, denn er will im September auf der Liste der linken „Vanster Partiet“ für das schwedische Parlament kandidieren.

          Um acht Uhr ist die Abfahrt aus Athen in den Hafen zur „Sfendoni“ geplant, doch der Termin wird ständig verschoben. Dann macht die Nachricht die Runde, der Frachter „Eleftheri Mesogeios“ sei fertig geladen und fahre jetzt ab. Alle wollten die Bilder haben, doch Al Dschazira hat nicht nur hier die Nase vorn. Andere Journalisten fordern von den Organisatoren Gleichbehandlung bei Informationen.

          Inzwischen sind die Passagiere der „Sfendoni“ angekommen, der Abfahrtstermin wird auf 19 Uhr festgelegt. Ein Banner mit der Aufschrift „Stoppt den Völkermord - Freies Palästina“ wird angebracht. Welcher Völkermord hier gemeint sein soll, kann auch Khalid Turaani nicht beantworten. Er springt auf, weil er diese Parole für „gefährlich“ hält. Am Ende bleibt das Banner hängen. Um 20.45 Uhr setzt sich die „Sfendoni“ in Bewegung, seltsamerweise von Al Dschazira-TV vom Kai aus mit der Kamera eingefangen. Bleiben die etwa in Athen? Nein, denn 500 Meter weiter am Kai hält die „Sfendoni“ an, und die Journalisten von Al Dschazira steigen zu. Eine reine Inszenierung.

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