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Vor libyscher Küste : 45 Migranten kommen bei Schiffsunglück ums Leben

Ein Schiff der italienischen Küstenwache mit Migranten Anfang August: Die Nichtregierungsorganisation Alarm Phone wirft der italienischen Küstenwache vor, einem weitergeleiteten Notruf nicht nachgegangen zu sein. Bild: AFP

Weder von den libyschen Behörden noch von der italienischen Küstenwache habe es eine Reaktion auf den Notruf gegeben, heißt es von der Initiative Alarm Phone. IOM und UNHCR erinnern die Staaten an ihre Verpflichtung, Schiffbrüchige zu retten.

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          Beim bisher verheerendsten Schiffbruch eines Flüchtlingsboots in diesem Jahr sind am Montag vor der libyschen Küste 45 Menschen ertrunken, unter ihnen fünf Kinder. Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Mittwochabend mitteilten, explodierte an Bord des Bootes zunächst der Motor, anschließend kenterte das leckgeschlagene Schlauchboot. Dies hätten Überlebende der Havarie, die sich in libyschen Hoheitsgewässern vor der Hafenstadt Zuwara ereignete, berichtet.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Etwa drei Dutzend Migranten, hauptsächlich aus Senegal, Mali, Tschad und Ghana, wurden von einheimischen Fischern gerettet und bei der Ankunft an Land von den libyschen Behörden festgenommen, teilte die IOM mit.

          Die von Nichtregierungsorganisationen betriebene Initiative Alarm Phone berichtete am Dienstag, sie habe den bei ihr eingegangenen Notruf des havarierten Flüchtlingsboots an die libyschen Behörden sowie an die italienische Küstenwache weitergeleitet. Doch weder von libyscher noch von italienischer Seite aus habe es Rettungsbemühungen gegeben.

          „Wir fordern von der Staatengemeinschaft nachdrücklich, auf diese Zwischenfälle zu reagieren. Und wenn Menschen auf See gerettet werden, dann müssen diese systematisch und berechenbar in einen sicheren Hafen gebracht werden“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von IOM und UNHCR. In den vergangenen Monaten sei es immer wieder zu inakzeptablen Verzögerungen gekommen oder die Hilfeleistung sei ganz ausgeblieben.

          IOM-Sprecherin Safa Msehli erinnerte die Staaten daran, dass sie nach dem Völker- und Seerecht verpflichtet seien, Zivilisten zu schützen und Schiffbrüchige zu retten. „Wir befürchten, dass viele Menschenleben verloren gehen, wenn die Rettungskapazität nicht erhöht wird“, schrieb UNCHR- Sprecher Charlie Yaxley auf Twitter.

          Nichtregierungsorganisationen dürften bei ihren Bemühungen zur Seenotrettung im Mittelmeer nicht behindert werden, fordern IOM und UNHCR. Derzeit sind das von der Evangelischen Kirche in Deutschland erworbene Schiff „Sea Watch 4“ sowie das Segelschiff „Astral“ der Organisation Open Arms zur Seenotrettung im zentralen Mittelmeer im Einsatz.

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