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Saudischer Kronprinz und Iran : Kein Hitler-Vergleich mehr

Letzte Vorbereitungen für ein Interview: Der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman am 27. April 2021 Bild: Reuters

Der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman hatte den iranischen Revolutionsführer Chamenei 2018 noch mit Hitler verglichen. Jetzt sagt er, er wünsche sich, dass die Beziehungen zu Teheran gedeihen. Was steckt dahinter?

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          Ganz konnte der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman nicht darauf verzichten, die eigene Stärke zu beschwören. „Die Vokabel Angst existiert in saudischen Wörterbüchern nicht, denn Saudis fürchten sich vor nichts“, sagte der Thronfolger in einem ausführlichen Fernsehinterview. Doch der Ton, den er gegenüber Iran, dem großen regionalen Rivalen, anschlug, war auffällig konziliant. „Letztendlich ist Iran ein Nachbarland“, erklärte er. Das Königreich wolle keine Schwierigkeiten und strebe ein gutes Verhältnis zu Teheran an. „Wir wollen, dass es gedeiht und wächst“, sagte der Kronprinz, der Einlassungen wie jene von 2018 unterließ, als er über den iranischen Revolutionsführer Ali Chamenei sagte, im Vergleich sehe Adolf Hitler gut aus.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.
          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.
          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die neue Milde im Ton passt zu den Berichten in den vergangenen Wochen über neue Kontakte zwischen beiden Ländern. Als Erstes hatte die „Financial Times“ gemeldet, Vertreter der sunnitischen Regionalmacht Saudi-Arabien und der schiitischen Führungsmacht Iran hätten sich in Bagdad getroffen. Die saudische Führung, die 2016 die diplomatischen Beziehungen abgebrochen hatte, dementiert zwar, aber aus mehreren diplomatischen Quellen werden die Annäherungsversuche bestätigt. Ein Schwerpunkt der Gespräche sei der Jemen gewesen, sagt ein Diplomat, der von einem „konstruktiveren Ton“ spricht. Das Königreich passe seine Politik langsam den neuen Realitäten an.

          Ausweg aus dem Jemen-Konflikt gesucht

          Dazu gehört nicht zuletzt das Scheitern Riads, die von Iran geförderten jemenitischen Houthi-Rebellen mit militärischen Mitteln aus der Hauptstadt Sanaa und anderen Teilen des Jemens zu vertreiben. Nach sechs Jahren sucht das Königreich einen Ausweg aus dem Konflikt. Das ist ohne Mitarbeit Irans schwer möglich, und derzeit machen die Houthi auch keine Anstalten, ihr Heil jenseits des Schlachtfeldes zu suchen. In den vergangenen Jahren habe Saudi-Arabien iranische Vermittlungsangebote ausgeschlagen, sagte der iranische Außenminister Dschawad Zarif in einem Gespräch, das eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war und derzeit in Iran hohe Wellen schlägt. Der iranische Präsident hatte alle Minister beauftragt, zum Abschluss ihrer Amtszeit in für das Staatsarchiv aufgezeichneten Interviews Bilanz zu ziehen.

          Dass die Vereinigten Staaten unter Präsident Joe Biden derzeit versuchen, eine Wiederannäherung im Atomstreit mit Iran zu erreichen, ist eine weitere Realität, der sich die Politik Saudi-Arabiens anpassen muss. Washington befindet sich in Wien in indirekten Gesprächen mit Iran und den fünf anderen Unterzeichnerstaaten des Atomabkommens über Bedingungen eines amerikanischen Wiederbeitritts zu der Vereinbarung, aus der Donald Trump 2018 ausgestiegen war.

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