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„MBS“ auf Asienreise : Saudischer Kronprinz sucht Freunde im Osten

Mohammed bin Salman wird vom indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi begrüßt. Bild: AFP

Von vielen derzeit geächtet wird Mohammed bin Salman auf seiner Reise nach Pakistan, Indien und China der rote Teppich ausgerollt. Die Kashoggi-Affäre ist kein Thema.

          Als der Kronprinz in Delhi aus dem Flugzeug steigt, wartet Modi schon auf ihn. Am Fuß der Treppe nimmt der indische Ministerpräsident ihn mit einer bärenartigen Umarmung in Empfang. Es ist nicht das erste Mal, dass der Inder einen Gast auf diese Weise willkommen heißt. Die Geste ist für Besucher reserviert, die als enge Freunde Indiens gesehen werden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Kronprinz Mohammed bin Salman dürfte sich darüber derzeit aber besonders gefreut haben. Er gilt seit der Ermordung des Journalisten und Regimekritikers Jamal Kashoggi bei vielen als geächtet. Doch im Osten wird er in diesen Tagen mit fast schon überschwänglicher Freundlichkeit empfangen. Zuerst in Pakistan, dann in Indien und voraussichtlich auch in China, seiner dritten Station. Die Asien-Reise dient auch der Aufpolierung des eigenen Images.

          Die Regierungen der drei asiatischen Länder haben offensichtlich kein Problem damit, dem Kronprinzen eine Bühne zu bieten, auf der er sich als respektables Mitglied der Weltgemeinschaft präsentieren kann. Sie wollen von dem saudi-arabischen Reichtum profitieren. Dem derzeit chronisch klammen Pakistan hat er Investitionen von 20 Milliarden Dollar versprochen. Schon vorher hatte Saudi-Arabien dem Land unter die Arme gegriffen. Im islamischen Pakistan gab es deshalb kaum eine Ehre, die ihm nicht zuteil wurde. Sein Flugzeug wurde von Kampfjets der pakistanischen Air Force begleitet, der Prinz selbst mit 21 Salutschüssen empfangen. Pakistanische Senatoren überreichten ihm laut CNN als Geschenk eine mit Gold besetzte Maschinenpistole der deutschen Firma Heckler und Koch. 

          „Starke Freudschaft“ mit Indien

          Für Indien ist Saudi-Arabien einer der wichtigsten Wirtschaftspartner. In Saudi-Arabien lebt die größte Gemeinschaft von Auslandsindern. Rund 20 Prozent der indischen Ölimporte kommen aus dem arabischen Land. Modi hat sich seit seinem Besuch in Riad im April 2016 um bessere politische Beziehungen bemüht. Kronprinz Mohammed bin Salman sagte in Delhi, er sehe in dem aufstrebenden Wirtschaftsstandort Investitionsmöglichkeiten in Höhe von mehr als 100 Milliarden Dollar. Die beiden Länder schlossen während seines Besuchs insgesamt fünf Abkommen, darunter über Investitionen in die Infrastruktur, den Wohnungssektor und den Tourismus. Von einer „starken Freundschaft“ war in einer gemeinsamen Erklärung die Rede.

          Dabei hat es dem Kronprinzen auch nicht geschadet, dass er mit seiner Reise in die verfeindeten Länder Pakistan und Indien ein politisches Minenfeld betrat. Die Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern sind nach einem blutigen Anschlag auf indische Paramilitärs in Kaschmir derzeit wieder hoch. Kritisiert wurde Indiens Ministerpräsident Modi für seine Umarmung des Kronprinzen denn auch weniger wegen dessen Rolle in der Kashoggi-Affäre, sondern vielmehr wegen der saudischen Unterstützung für Pakistan. Der Besucher versuchte, in dem Konflikt als Vermittler aufzutreten.  „Extremismus und Terrorismus sind unsere gemeinsame Sorge”, sagte er in Delhi.

          Nach Beendigung seines Aufenthalts in Indien ist der Kronprinz an diesem Donnerstag in Peking eingetroffen.

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