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Saudischer König in Berlin : Nicht über Frieden reden, den Frieden festigen

Militärische Ehren für den saudischen König
          4 Min.

          Als ein Land, das sich mit „großer Kraft“ an der Stützung des Friedens und der Sicherheit der Staatengemeinschaft beteilige, hat der saudische König Abdullah Bin Abdalaziz Deutschland bezeichnet. Deutschlands jüngste EU-Präsidentschaft und die Stellung des Landes in der EU zeige, dass Deutschland politisch und wirtschaftlich als großer Staat zurückgekehrt sei, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Rom unmittelbar vor seinem Abflug nach Berlin. Dort wurde der Monarch von Bundeskanzlerin Merkel am Mittwoch willkommen geheißen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Deutschland habe gerade in dieser Phase durch ständige Koordination und Beratungen an der Lösung der Krisen im Nahen Osten mitgearbeitet. Saudi-Arabien wiederum strebe nicht nach einer Führungsrolle, trage aber seine Verantwortung, um den Herausforderungen zu begegnen, denen sich sein Land, die arabische Welt, die islamische Umma und die Weltwirtschaft gegenüber sähen. Eine Last sei es für ihn nicht, sich den Themen zuzuwenden, die Sicherheit der Region und der Welt gefährdeten. Er wolle nach Mitteln und Wegen zu suchen, die den „Menschen unserer Region“ ermöglichten, sich der „Freiheit und Stabilität“ zu erfreuen. So könnten sie sich auf die umfassende Entwicklung ihrer Gesellschaft konzentrieren.

          Saudi-Arabien verurteilt den Terror

          König Abdullah würdigte die Initiative des amerikanischen Präsidenten Bush zur Vorbereitung einer Friedenskonferenz für den Nahen Osten, die demnächst im amerikanischen Annapolis stattfinden soll, mit den Worten, dass sie als wesentliches Element die wichtigen Fragen des Konflikts vereine. Im Einzelnen nannte der saudische König: „das Ende der Besetzung, die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staats, die Behandlung der Flüchtlingsfrage, den Status von Jerusalem, die Verbesserung der Lage der Palästinenser sowie andere Themen, die im Zentrum des Konflikts“ stünden.

          Abdullah: Deutschland sei politisch und wirtschaftlich als großer Staat zurückgekehrt
          Abdullah: Deutschland sei politisch und wirtschaftlich als großer Staat zurückgekehrt : Bild: dpa

          Saudi-Arabien und die Arabische Liga begrüßten diese positiven Elemente der Konferenz. Daher hoffe er, dass sie sich auch mit diesen zentralen Fragen befassen werde und dass sie umfassend sei und in Übereinstimmung mit einem festgesetzten Zeitplan, der ihren Erfolg garantiere. Gescheitert seien die Versuche von Teillösungen, die den Kern des Konflikts ignorierten. Er sei der Überzeugung, dass die Zeit gekommen sei, um von der Phase des Redens über den Frieden als einen Prozess zu einer Festigung des Friedens als Wirklichkeit zu gelangen.

          Das habe über realistische und fühlbare Schritte zu geschehen. Über die drohende Gefahr eines Einmarsches der türkischen Armee in den Nordirak sagte König Abdullah, er hoffe, der Irak und die Türkei unternehmen gemeinsame Anstrengungen, um die Operationen gegen die Türkei zu stoppen. Saudi-Arabien verurteile den Terror in allen seinen Formen, was immer seine Herkunft und seine Rechtfertigung sei.

          Konsortium unter der Aufsicht der IAEA

          Unzufrieden äußerte er sich über die Lage im Irak. Als den einzigen Weg, um die Ziele wie die Bewahrung der territorialen Integrität des Landes, seine Stabilität und den Wiederaufbau zu garantieren, nannte er die nationale Versöhnung zwischen allen Bürger, und zwar zwischen allen politischen Gruppen, Glaubensgemeinschaften und Zugehörigkeiten zum Irak. Dabei dürfe bei den Rechten, Pflichten und in der Beteiligung an den Bodenschätzen des Landes keine Ausnahme gemacht werden. Dieses Ziel sei im Irak indessen nicht erreicht.

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