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Fall Khashoggi : Eingreiftruppe mit einem Hang zur Brutalität

Jamal Kashoggis Ermordung im Oktober 2018 lenkte die Aufmerksamkeit auf den Umgang der saudischen Regierung mit Dissidenten. Bild: AP

Nach Medienberichten hat das saudische Regime bereits vor der Ermordung Jamal Khashoggis Regierungskritiker systematisch verfolgt. Eine Sondereinheit sei damit betraut gewesen, Oppositionelle zu entführen und zu foltern.

          Der Mord an Jamal Khashoggi war nur die Spitze des Eisbergs. Schon lange bevor der bekannte Kritiker des saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman vergangenen Oktober umgebracht wurde und der Thronfolger wegen der Empörung über die Bluttat in Bedrängnis geriet, hatte der Repressionsapparat Gegner Muhammad Bin Salmans verfolgt und kaltgestellt. Vergangene Woche wurden Frauenrechtlerinnen als Staatsfeinde vor Gericht gestellt, die die gesellschaftliche Öffnung, die der Kronprinz mit harter Hand vorantreibt, eigentlich befürworten. Aber jegliche Form von politischem Aktivismus scheint Muhammad Bin Salman ein Dorn im Auge zu sein. Den jüngsten Nachweis seiner Brutalität und seines Hangs zum Autoritären lieferte am Montag die „New York Times“, die berichtete, dass der Kronprinz eine klandestine Kampagne gegen Dissidenten genehmigt habe, deren Mittel von Überwachung und Festnahmen bis zu Entführung und Folter reichten. Die Zeitung beruft sich auf amerikanische Regierungsmitarbeiter, die Zugang zu geheimen Berichten über die Repressionskampagne hatten, ebenso wie auf saudische Quellen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die amerikanischen Geheimpapiere sprechen von einer „schnellen Eingreiftruppe“, die Dissidenten verschleppte oder in Palästen der Königsfamilie misshandelte. Mitglieder des Greiftrupps, der Khashoggi tötete und seinen Leichnam mit einer Knochensäge zerteilte, gehörten demnach zu jener „Eingreiftruppe“. Und ein weiterer Name fällt, der auch mit dem Khashoggi-Mord in Verbindung gebracht wird: Saud al Qahtani, einer der wichtigsten Berater des Kronprinzen. Er soll das Treiben der Sondereinheit überwacht haben, die auch mit Folter der angeklagten Frauenrechtlerinnen in Verbindung gebracht wird. Eine von ihnen hat nach übereinstimmenden Berichten wegen des Psychoterrors versucht, sich das Leben zu nehmen.

          Qahtani steht derzeit wegen des Khashoggi-Mordes unter Hausarrest, andere sind vor Gericht gestellt worden. Aber es herrschen Zweifel daran, dass sie wirklich zur Rechenschaft gezogen werden. „Der Kronprinz kann es schlecht erlauben, dass das Signal ausgesendet wird, dass sich Loyalität ihm gegenüber nicht lohnt“, sagt ein westlicher Diplomat. Die neuen Enthüllungen treiben den Thronfolger allerdings weiter in die Enge – vor allem in den Vereinigten Staaten. Dort nimmt die Verärgerung darüber zu, dass Präsident Donald Trump nicht Farbe bekennt, obwohl der Geheimdienst davon ausgeht, dass Muhammad Bin Salman hinter dem Mord an Khashoggi steckt. Ende vergangener Woche verabschiedete der Senat eine Entschließung, die verlangte, die Unterstützung für den saudisch geführten Militäreinsatz im Jemen einzustellen. Sie wurde als Misstrauensvotum gegen das saudische Regime dargestellt – und erhielt Zustimmung aus den Reihen von Trumps Republikanern.

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