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Saudisch-iranische Beziehungen : Ahmadineschad reist nach Riad

  • Aktualisiert am

Ahmadineschad: „Verschwörungen des Westens” Bild: AP

An diesem Samstag reist der iranische Staatspräsident Ahmadineschad erstmals offiziell nach Saudi-Arabien. Ein brisanter Besuch angesichts des Streits zwischen Sunniten und Schiiten um die Führung in der islamischen Welt.

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          An diesem Samstag wird der iranische Staatspräsident Ahmadineschad erstmals offiziell Saudi-Arabien besuchen. Das bestätigte am Freitag die iranische Nachrichtenagentur Fars. In Riad wird Ahmadineschad mit König Abdullah konferieren und mit anderen Mitgliedern der saudischen Führung.

          Ahmadineschad war im vergangenen Dezember anlässlich des Gipfeltreffens der „Organisation Islamischer Staaten“ (OIC) bereits nach Saudi-Arabien gereist. Dem ersten Staatsbesuch Ahmadineschads in Saudi-Arabien gingen nun Konsultationen zwischen den Generalsekretären der Nationalen Sicherheitsräte, Bandar Bin Sultan und Laridschani, voraus.

          Kritik von König Abdullah an Iran

          Die Reise Ahmadineschads ist von Bedeutung, weil sich Saudi-Arabien und Iran im Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten als die Führungsmächte der beiden Richtungen des Islams gegenüberstehen. Saudi-Arabien wirft Iran vor, im Irak und im Libanon Spannungen zwischen den beiden Richtungen des Islams zu schüren sowie unter arabischen Sunniten Mission zu betreiben. Iran geht auf diese Anklagen nicht ein und beschwört die Einheit aller Muslime gegen die „Verschwörungen des Westens“.

          König Abdullah hatte am 27. Januar in einem Interview mit der kuweitischen Zeitung „Al Siyasa“ Iran ungewöhnlich scharf kritisiert. Er forderte Teheran auf, von seiner Missionspolitik und aggressiven Außenpolitik abzulassen. Andererseits hatte Sicherheitsberater Bandar Bin Sultan zuletzt am 25. Januar ausdrücklich Irans Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomenergie verteidigt. Auch hatte Ende Januar der bekannteste schiitische Geistliche Saudi-Arabiens, Hassan al Saffar, bekräftigt, die Schiiten des Königreichs seien zu Saudi-Arabien loyal und nicht zu Iran. Zudem warf er den Schiiten Irans und des Iraks vor, unter den Schiiten anderer Länder Unruhe zu schüren.

          Gespannte Beziehungen

          Die Beziehungen zwischen der Herrscherfamilie Al Saud und dem schiitischen Iran sind traditionell gespannt, seit die Dynastie Saud von 1803 an die heiligen Stätten des Islams erobert hatte. Ihre wahhabitischen Anhänger ebneten nach der Eroberung von Medina die Gräber von schiitischen Heiligen ein, die sie in ihrer puritanischen Auslegung als Götzendienst verwarfen. 1913, am Beginn der Schaffung des Königreichs Saudi-Arabien, eroberte dann das Ichwan genannte saudische Beduinenheer die Ostprovinzen, vor allem die Oasen al Ahsa und Qatif, in denen die Schiiten Saudi-Arabiens siedeln.

          Die wahhabitischen Gelehrten forderten die Zwangskonversion der Schiiten zu ihrer Form des Islams. Die Schiiten durften keine Moscheen mehr bauen, Sondersteuern vertrieben sie von ihrem Grund und Boden. Es war ihnen untersagt, ihre Feste, wie Ashura, zu feiern.

          Bedrohung der inneren Sicherheit Saudi-Arabiens

          Nach der Machtergreifung Chomeinis 1979 begannen in dieser Ostprovinz Unruhen. Die neue iranische Führung hatte die Schiiten dazu ermuntert, die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu fordern. Die Proteste der Jahre 1979 und 1980 wurden blutig niedergeschlagen. Als die Islamische Republik den Revolutionsexport propagierte und die schiitischen Minderheiten in den arabischen Golfstaaten dazu anstachelte, war Iran zur wichtigsten Bedrohung der inneren Sicherheit Saudi-Arabiens geworden. Als Antwort gründeten die Staaten Saudi-Arabien, Kuweit, Bahrein, Qatar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman den „Golfkooperationsrat“ (GCC).

          In den achtziger Jahren häuften sich bei der Pilgerfahrt in Mekka (Hadsch) die Zwischenfälle, die von protestierenden iranischen Pilgern verursacht wurden. 1985 wurden dabei mehr als 400 Pilger getötet, unter ihnen 275 aus Iran. Darauf reduzierte die saudische Führung die Quote der iranischen Pilger erheblich, was die Spannungen zwischen den beiden Staaten verschärfte.

          Die Scheichs unterstützten einst Saddam Hussein

          Auch wenn Saudi-Arabien der säkularen panarabischen Rhetorik von Saddam Hussein sehr kritisch gegenübergestanden hatte, empfand man Iran als die größere Gefahr. Saudi-Arabien unterstützte daher im Krieg von 1980 bis 1988 Irak mit mehr als 25 Milliarden Dollar gegen Iran.

          Iran lud saudische Dissidenten ein; auch für den Anschlag im Juni 1996 auf die amerikanische Basis in Dhahran wurde Iran verantwortlich gemacht. Die Beziehungen besserten sich, nachdem Ende 1996 der damalige saudische Kronprinz Abdullah ein OIC-Gipfeltreffen in Teheran besucht hatte, wo er Revolutionsführer Chamenei traf. Abdullah setzte sich für eine Normalisierung der Beziehungen ein. Auf iranischer Seite plädierten Rafsandschani und Chatami, Staatspräsident seit 1997, für eine Annäherung. Mit dem Amtsantritt von Ahmadineschad 2005 kühlten die Beziehungen jedoch wieder erheblich ab.

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