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Bürgerkrieg im Jemen : „Viele unterschätzen, wie gefährlich Iran ist“

Der saudi-arabische Außenminister Adel al Jubeir im Juli in Kairo Bild: EPA

Am Dienstag haben Houthi-Rebellen aus dem Jemen eine Rakete auf Riad abgefeuert. Der Außenminister Saudi-Arabiens macht Iran deshalb schwere Vorwürfe. Auch eine Entscheidung Donald Trumps bezeichnet Adel al Jubeir im F.A.Z.-Interview als unklug.

          Herr Minister, am Dienstag ging zum zweiten Mal über Riad eine ballistische Rakete nieder, die die Houthi-Miliz im Jemen abgeschossen hat. Wie groß ist die Gefahr?

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Houthi haben uns bereits mit mehr als achtzig ballistischen Raketen angegriffen. Die vorletzte landete Anfang November fast am internationalen Flughafen von Riad. Sie war eine iranische Produktion. Auch die am 22. Juni in Yanbu am Roten Meer war eine iranische Rakete vom Typ Qaim 1. Iran versorgt die Houthi mit Waffen, ebenso mit technischer Unterstützung und mit Personal, das diese Raketen bedient. Iran exportiert ballistische Raketen an Milizen, die zu Iran gehören und uns mit den Raketen angreifen. Und dann sagen die Iraner, sie wollen mit uns gute Beziehungen haben.

          Können Sie beweisen, dass diese Raketen aus Iran stammen?

          Wir, die Amerikaner und die Briten haben die Raketen untersucht, wir haben das Material identifiziert und auch die Fabriken, in denen einige Komponenten gemacht worden sind. Wir haben absolut keinen Zweifel, dass sie aus Iran stammen. Auch in den Berichten der Vereinten Nationen steht, dass die Raketen mit Komponenten ausgestattet sind, die in Iran gemacht wurden. Woher sollen die Houthi auch die Raketen sonst bekommen?

          Der Jemen ist nur ein Aspekt des Konflikts zwischen Saudi-Arabien und Iran. Weshalb wird der Konflikt so scharf geführt? Was werfen Sie Iran vor?

          Was wir vorwerfen, ist: Unterstützung für Terrorismus, Konfessionalismus, die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Länder in der Region, ein Programm für ballistische Raketen und die Lieferung von solchen Raketen an Milizen, die sie gegen die Zivilbevölkerung einsetzen.

          Was treibt Iran dazu an?

          Iran versucht seit 1979, seine Revolution zu exportieren. So sieht die iranische Verfassung nicht eine Staatsbürgerschaft vor. Sie glaubt aber, dass alle Schiiten, sie nennen sie die „Enteigneten“ und „Beraubten“, zu Iran gehören – was irrwitzig ist. Nach der Revolution wurden die Iraner zum wichtigsten Terrorsponsor in der Welt. Sie haben eine lange Akte von Tod und Zerstörung.

          Zum Beispiel?

          Die zwei Bombenanschläge in Beirut 1983 auf die amerikanische Botschaft und auf die Marines, Attentate in Europa, auch in Deutschland, der Anschlag auf die Synagoge in Buenos Aires 1994 und 1996 auf die Khobar Towers in Saudi-Arabien. Den hat der damalige iranische Militärattaché in Bahrein, General Scharifi, koordiniert; ein Mitglied der libanesischen Hizbullah baute die Bombe, der Sprengstoff kam aus der Bekaa-Ebene im Libanon, und die drei Führer des Anschlags flohen nach Iran, wo sie sich seither aufhalten. Iran gewährt seit Jahrzehnten Terroristen Unterschlupf. Den Anführer des Anschlags, einen saudischen Bürger, haben wir vor zwei Jahren mit einem iranischen Pass im Libanon festgenommen. Die Iraner waren zudem verantwortlich für Angriffe auf mehr als ein Dutzend Botschaften in Iran, für die Entführung von Diplomaten und für die Ermordung mehrerer saudischer Diplomaten.

          Was ist an der Behauptung wahr, Iran habe mit Al Qaida kooperiert?

          Nach 2001 haben die Iraner die Spitzen von Al Qaida zu sich genommen, unter ihnen Saad Bin Ladin, einen Sohn von Usama Bin Ladin, ferner Seif al Adl, der die Anschläge geplant hatte, sowie einige andere. Sie leben seither in Iran. Der Auftrag zu einem Bombenanschlag auf drei Wohnblöcke in Riad im Jahr 2003 kam von Seif al Adl, der zu dem Zeitpunkt in Iran war, an jene in Riad, die den Anschlag ausführten. Wir haben das Telefongespräch aufgenommen. Wir wissen von Usama Bin Ladins Unterlagen, die in seinem Haus in Abbottabad gefunden wurden, dass er umfangreiche Geschäfte mit den Iranern betrieben hat, die in die frühen neunziger Jahre zurückgehen. Al Qaida griff nie Iran an, ebenso Daesh (die arabische Abkürzung für IS) nicht. Weshalb wohl?

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