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Saudi-Arabien : Unterstützung für den Saboteur

  • -Aktualisiert am

„Saudis betreiben Destabilisierung”: UN-Botschafter Khalilzad Bild: AP

In Washington wird Saudi-Arabien als Teil des Irak-Problems gesehen. Dennoch will Amerika die saudische Regierung stärken, um den gemeinsamen Feind Iran zu stoppen. Kritiker warnen, der Plan könne nach hinten losgehen.

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          Ende November vergangenen Jahres war der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney zu einem Blitzbesuch in Riad. Er bat das Königshaus vor allem um Unterstützung für die amerikanischen Bemühungen zur Stabilisierung des Iraks.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Offenbar stießen Cheneys Bitten auf taube Ohren, denn der amerikanische UN-Botschafter Zalmay Khalilzad bekräftigte in der Nacht zum Montag im Nachrichtensender CNN die Klage, dass Saudi-Arabien sich nur minimal bemühe, das nördliche Nachbarland voranzubringen. In einem Meinungsbeitrag für die „New York Times“ vom 20. Juli hatte Khalilzad geschrieben, dass „einige von Iraks Nachbarn - nicht nur Syrien und Iran, sondern auch Freunde der Vereinigten Staaten - eine Politik der Destabilisierung betreiben“. Bei CNN konnte Khalilzad gar nicht genug betonen, er habe mit seiner Andeutung auch Saudi-Arabien gemeint.

          Das gleiche Regime, das Washington offenbar dabei behindert, sein Kernproblem im Mittleren Osten - die notdürftige Reparatur des zerrütteten Iraks - zu lösen, wird am Dienstag in Dscheddah aus dem Munde von Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Robert Gates bei deren gemeinsamer Nahost-Reise (die zuvor zur Arabischen Liga nach Kairo führt) erfahren, dass Washington dem Königreich in den kommenden zehn Jahren Kriegsschiffe, Waffen und Ausrüstung im Wert von 20 Milliarden Dollar liefern werde.

          Riad unterminiert Bagdader Regierung

          Die Waffenlieferung, dem der Kongress nach manchem Grummeln vor allem in der Fraktion der Demokraten am Ende gewiss zustimmen wird, ist ausdrücklich dafür vorgesehen, das sunnitisch geprägte Saudi-Arabien gegen die nach Atomwaffen strebende schiitische Regionalmacht Iran aufzurüsten. Ob sich Washington mit der umfangreichen Waffenlieferung an den wichtigen arabischen Verbündeten, auf welchen die Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten mangels Alternativen fortgesetzt angewiesen sind, auch dessen lang erbetene Hilfe bei der Stabilisierung des Iraks erkaufen kann, steht nach Ansicht von Fachleuten dahin.

          Richard Haass, Präsident des renommierten Rates für Auswärtige Beziehungen in New York, wies am Dienstag auf die Bedenken von Militärfachleuten hin, dass Zerstörer, Lenkwaffen und Luft-Luft-Raketen wenig gegen die stärksten Waffen Irans im Kampf um Einfluss in der Region ausrichten könnten: die finanzielle und logistische Unterstützung von Terrororganisationen wie Hamas und Hizbullah sowie von Aufständischen und radikalen schiitischen Milizen im Irak.

          Während also das wachsende Gewicht Irans kaum mit verbesserten konventionellen Mitteln für Saudi-Arabien aufzuwiegen ist, gibt es keine Garantie dafür, dass Riad als Gegenleistung für die amerikanischen Waffenlieferungen seinerseits seine unkonventionellen Kanäle zur Einflussnahme im Irak trocken legt. Nach Einschätzung der amerikanischen Streitkräfte und Geheimdienste unterstützt Riad sunnitische Extremisten im Irak und unterminiert so die von Amerika unterstützte Bagdader Regierung unter Ministerpräsident Nuri al Maliki.

          Königshaus eng mit 11. September verbunden

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