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Saudi-Arabiens Rolle im Krieg : Der Jemen am Abgrund

Die meisten Jemeniten überleben nur dank Nahrungsmittelrationen. Bild: AP

Seit drei Jahren führt Saudi-Arabien im Jemen einen Krieg gegen die Houthi-Rebellen. Ein Ende ist nicht in Sicht – und die humanitäre Lage ist katastrophal.

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          Als Saudi-Arabien vor drei Jahren erstmals Luftangriffe gegen die Houthi-Miliz im Jemen geflogen hatte, war in der Hauptstadt Riad die Erwartung groß, dass der Krieg rasch beendet sein würde. Seither hat Saudi-Arabien aber keines seiner Ziele erreicht. So ist das Königreich heute nicht sicherer als im März 2015. Denn die Houthis, die 2014 im Jemen die Macht übernommen hatten, feuern heute mehr Raketen denn je nach Saudi-Arabien ab. Allein in den vergangenen Tagen hat die saudische Luftabwehr nach eigenen Angaben sieben Raketen abgefangen, eine weitere fiel auf Riad und tötete eine Person. Zudem haben die Houthis ihre Macht konsolidiert und ihre Miliz zu einer professionellen Streitmacht ausgebaut. Der Krieg festigte auch ihre Allianz mit Iran, das im Jemen Militärberater unterhält und die Komponenten für die Raketen liefert.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Gravierender sind die menschlichen Kosten des Krieges im ärmsten Land der arabischen Welt. Mehr als 10.000 Menschen wurden getötet, vier von fünf Jemeniten sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, von den 28 Millionen Jemeniten hungern acht Millionen. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef sind 400.000 Kinder lebensgefährlich und akut mangelernährt. Die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen ist zerstört, und mutmaßlich sind eine Million Jemeniten mit Cholera infiziert. Wenn die Regenzeit in wenigen Wochen beginnt, droht eine neue Cholera-Welle. Alle zehn Minuten sterbe ein Kind unter fünf Jahren an Ursachen, die vermieden werden könnten, teilt die Hilfsorganisation International Rescue Committee mit.

          Verschlechtert wird die Situation durch die Sperrung des Luftraums und die Blockade der Seehäfen, etwa von Hudaida, durch Saudi-Arabien. Die Blockade erschwert zwar die Lieferung von Waffen an die Houthis, aber auch von lebensnotwendigen Gütern für die Zivilbevölkerung. Saudi-Arabien hat zudem selbst eingestanden, dass es Streubomben eingesetzt hat. Andererseits ist Saudi-Arabien der größte Lieferant von humanitären Hilfsgütern.

          Allianz zwischen Salih und Houthi-Rebellen

          Auslöser des Krieges war die Übernahme weiter Teile des Jemens durch die Houthi-Rebellen, die im September 2014 die Hauptstadt Sanaa erobert hatten. Dazu hatten die Rebellen eine Allianz mit dem früheren Staatspräsidenten Ali Abdullah Salih und Teilen der Sicherheitskräfte gebildet, die loyal zu Salih waren. Nach den Massenprotesten des Jahres 2011 hatten die Staaten des Golfkooperationsrates unter Führung Saudi-Arabiens Salih zum Rücktritt gedrängt. Das ermöglichte, dass in Sanaa ein Nationaler Dialog beginnen konnte, in dem alle wichtigen politischen und gesellschaftlichen Gruppen vertreten waren. Ziel war, aus diesem Forum heraus einen neuen jemenitischen Staat zu schaffen.

          Es kam nicht dazu, weil Salih die Zeit, in der der Nationale Dialog tagte, genutzt hat, um seine Rückkehr an die Macht vorzubereiten. Einen Partner fand er in den Houthi-Rebellen, deren Aufstand in der nördlichen Grenzregion zu Saudi-Arabien er als Staatspräsident von 2004 bis 2010 noch niedergeschlagen hatte. Wie Salih wollten auch die Houthis den Nationalen Dialog scheitern lassen. Denn ohne Erfolg hatten sie eine föderale Lösung über ihre ressourcenarmen Gebiete hinaus und einen Zugang zum Meer gefordert. Ihre Allianz mit Salih hielt bis August 2017, als sich Salih von diesen zu lösen begann und sich wieder Saudi-Arabien zuwandte. Im Dezember 2017 töteten die Houthis Salih.

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