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Saudi-Arabien : Zwischen Hightech und heiligen Stätten

Gigantisches Bildrauschen: Am Riad Boulevard, einer in Neonlicht getauchten Amüsiermeile, genießen die Passanten die Verheißungen des Konsums. Bild: AFP

In Saudi-Arabien ist der gesellschaftliche Wandel so rasant wie der moderne Hochgeschwindigkeitszug „Haramain-Express“. Viele erkennen ihr Land nicht wieder. Doch die Freiheit hat Grenzen, denen sich kaum jemand zu nähern wagt.

          11 Min.

          Die Wüstenlandschaft zieht rasend schnell vorbei. Man sieht bloß eine ockerfarbene Fläche, die auf eine himmelblaue trifft. Draußen herrscht eine sengende Hitze, die schmerzt. Sommer in Saudi-Arabien, Temperaturen um die 50-Grad-Celsius-Marke. Die Klimaanlage hält stand, die Waggons sind angenehm temperiert. Man merkt auch nicht, mit welcher Geschwindigkeit der „Haramain-Express“ durch die Einöde gleitet: Von Mekka nach Medina, etwa 450 Kilometer, braucht der schlanke Hochgeschwindigkeitszug nicht einmal zweieinhalb Stunden. Er rollt in glitzernde Bahnhöfe ein, die wie aus der Zukunft gefallene Raumstationen aussehen. Es ist ein Milliarden von Dollar schweres Prestigeprojekt, das wie maßgeschneidert ist für die Ambitionen des Königreichs: Hightech verbindet heilige Stätten.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der Zug ist nicht nur eine Attraktion für die Heerscharen von Pilgern, die Jahr für Jahr nach Saudi-Arabien strömen. Auch Geschäftsreisende wissen den Heiligtümer-Express zu schätzen. „Die Leute erkennen langsam, dass es viel angenehmer ist, als mit dem Auto zu fahren oder zu fliegen“, sagt ein Versicherungsangestellter. Aber auch für ihn ist die Fahrt noch alles andere als Routine. Ihn erstaunt nicht nur die neue Möglichkeit des Reisens, die ihn zwei Mal so schnell ans Ziel bringt wie sein Auto, sondern vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich das Land verändert hat.

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