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Mohammed bin Salman : Der kometenhafte Aufstieg des Kronprinzen

Kriegsherr und Wirtschaftsführer: Mohammed bin Salman Bild: AFP

Mohammed bin Salman werden machtpolitische Bauernschläue und Skrupellosigkeit nachgesagt. Um seinen Vetter als Kronprinzen Saudi-Arabiens zu verdrängen, setzte er sich mehrmals über die Etikette der Königsfamilie hinweg.

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          Als der Lieblingssohn des Königs hatte Mohammed bin Salman schon immer gegolten. Er hat in den vergangenen Jahren einen kometenhaften Aufstieg erlebt, wurde Kriegsherr und Wirtschaftsführer, bevor er nun mit nur 31 Jahren zum Kronprinzen ernannt worden ist – was bedeutet, dass er für Jahrzehnte über Saudi-Arabien herrschen könnte. Als Verteidigungsminister führt der unter der Abkürzung „MBS“ bekannte Mohammed bin Salman im Nachbarland Jemen einen unerbittlichen – und erfolglosen – Krieg, während er zu Hause die Aufgabe hat, als Chef des Wirtschaftsrates eine imposantes Reformpaket voranzutreiben, welches die Zukunft des Königreiches sichern soll.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Als sein Vater Salman bin Abd al Aziz al Saud im Jahr 2015 mit 79 Jahren zum König wurde, machte auch sein Lieblingssohn Karriere. Noch am Tag der Thronbesteigung ernannte er Mohammed bin Salman zum Verteidigungsminister. Der König hatte ihn streng erzogen und stets gefördert. Als er Gouverneur von Riad war, machte er MBS 2009 zu seiner rechten Hand. Als Salman zum Kronprinzen ernannt wurde, promovierte er seinen Sohn Mohammed zunächst zum Sonderberater und dann zum Chef des Hofes des Kronprinzen im Ministerrang.

          „Ich habe andere Träume“

          Kritiker, vor allem aus der älteren Generation, weisen immer wieder darauf hin, dass MBS die Erfahrung des langen Dienstes in öffentlichen Ämtern fehle. Anders als viele andere saudische Prinzen war er auch nicht an einer westlichen Eliteuniversität, sondern hat in Riad Rechtswissenschaften studiert. Vielen jungen Saudis gilt MBS als Hoffnungsträger, der endlich Bewegung in das träge Königreich bringe. Er selbst stellt sich als Teil einer jungen Generation dar, die von den alten Männern an der Macht nicht verstanden werde. „Ich komme aus einer anderen Generation, habe andere Träume“, sagte MBS einmal in einem Interview.

          Er hat einiges in Bewegung gebracht, treibt Regierungsfunktionäre an, bewertet ihre Arbeit mit Leistungskennzahlen, traktiert sie mit stundenlangen Arbeitssitzungen. Für sein Reformpaket hat er ein Heer westlicher Berater engagiert. MBS werden machtpolitische Bauernschläue, Zielstrebigkeit und Skrupellosigkeit nachgesagt. Um seinen 57 Jahre alten Vetter Mohammed bin Najef als Kronprinzen zu verdrängen, setzte er sich mehrmals über die Etikette der Königsfamilie hinweg, die Respekt vor den Älteren und Zurückhaltung gebietet. In der Geschäftswelt von Riad kursieren Geschichten, nach denen MBS auch vor wenig subtilen Drohungen nicht zurückschreckt, wenn es um seinen Profit geht.

          Der Hang des ehrgeizigen Kronprinzen zu impulsiven Entscheidungen und sein Selbstbewusstsein haben Riad in militärische Abenteuer wie im Jemen und diplomatische Krisen wie jetzt mit Qatar geführt, aus denen sich nur schwer ein Ausweg finden lässt. Auch im Privatleben ist MBS offenbar wenig zögerlich: Als er im Frankreichurlaub Gefallen an einer Yacht fand, die einem russischen Wodka-Tycoon gehörte, kauft er sie ihm umgehend ab. Das Vergnügen soll rund 500 Millionen Euro gekostet haben.

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