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Angriffe auf Tanker im Golf : Saudi-Arabien fordert verstärkten Druck auf Iran

Einer der am Donnerstag beschädigten Tanker in der Straße von Hormus Bild: Reuters

Nach den Angriffen auf zwei Tankschiffe im Golf von Oman ruft der saudische Energieminister zu „schnellem und entschiedenem Handeln“ auf. Und der Kronprinz droht Iran.

          Saudi-Arabien erhöht den Druck auf seinen Rivalen Iran und verlangt nach den Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman „schnelles und entschiedenes“ Handeln zur Sicherung des Erdölexportes aus der Golfregion. Energieminister Khalid al Falih erklärte am Samstag, Energieversorgung, Stabilität des Marktes und Verbrauchervertrauen seien bedroht. Riad hat zuletzt immer energischer darauf gedrungen, dass die internationale Gemeinschaft einschreitet, um das für das Königreich überlebenswichtige Ölgeschäft zu sichern.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Spannungen in der Region haben deutlich zugenommen, seit sich in den vergangenen Monaten der Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten sowie deren arabischen Alliierten verschärft hat. Saudi-Arabien gehört zu den engsten Verbündeten der Regierung in Washington. Der Angriff auf die Tanker vom Donnerstag ist der zweite Vorfall binnen weniger Wochen. Mitte Mai waren vier Tankschiffe vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate Ziel von Sabotageakten geworden. Beide Angriffe ereigneten sich in der Nähe der Straße von Hormuz. Etwa ein Drittel des Rohöls wird durch die schmale Wasserstraße verschifft.

          „Tod und Zerstörung auf der ganzen Welt verbreitet“

          Was die jüngsten Angriffe betrifft, herrscht noch immer Unklarheit darüber, was im Golf von Oman geschehen ist. Teheran bestreitet die Vorwürfe, hinter dem Angriff zu stecken, und wirft den Vereinigten Staaten Kriegstreiberei vor. Washington hat ein grobkörniges Video verbreitet, das allerdings kein Beweis für eine Täterschaft Irans ist. Es soll Revolutionsgardisten auf einem Schnellboot zeigen, die kurze Zeit nach dem Angriff eine nicht explodierte Haftmine von der Bordwand des Tankers „Kokuka Courageous“ entfernen. Der Präsident der japanischen Firma, welcher der Tanker gehört, hat einen Angriff mit Minen oder Torpedos bestritten und bekräftigt, das Schiff sei „weit oberhalb der Wasserlinie“ von einem „fliegenden Objekt“ getroffen worden. Der zweite Tanker, die „Front Altair“, wurde am Wochenende aus iranischen Gewässern geschleppt. Am Samstag trafen die 23 Mitglieder der Schiffsbesatzung aus Iran in Dubai ein.

          Am Sonntag meldete sich nach langer Zeit der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman wieder in der Öffentlichkeit zu Wort. In der arabischen Zeitung „Al Sharq al Awsat“ erneuerte er die amerikanisch-saudischen Anschuldigungen an die Adresse Irans, hinter den Angriffen zu stecken. Er drohte, sein Land werde, auch wenn es „keinen Krieg in der Region“ wolle, „nicht zögern“, gegen „jedwede Bedrohung unseres Volkes, unserer Souveränität, unserer territorialen Unversehrtheit und unserer zentralen Interessen“ vorzugehen. Die Angriffe auf Öltankschiffe im Golf, auf Öleinrichtungen im Königreich und auf den saudischen Flughafen in Abha würden „die Bedeutung unserer Forderung unterstreichen, dass die internationale Gemeinschaft entschlossen gegen ein expansionistisches Regime vorgeht, das den Terrorismus unterstützt und in den vergangenen Jahrzehnten Tod und Zerstörung nicht nur in der Region, sondern auf der ganzen Welt verbreitet hat“.

          Die Person Muhammad Bin Salmans ist einer der Gründe, weshalb in westlichen Regierungen Sorge vor einer ungewollten Eskalation in der Region herrscht. Der Kronprinz, der als De-facto-Herrscher des Königreichs gilt, ist weitaus weniger zurückhaltend, vorsichtig und umsichtig als König Salman oder seine Vorgänger. Unter seiner Führung begann Saudi-Arabien 2015 eine kostspielige Militärkampagne im Jemen gegen die von Iran unterstützten Houthi-Rebellen, die auch nach Jahren kaum Erfolge gezeitigt hat.

          Amerikas Präsident Trump und der saudi-arabische Kronprinz Muhammad Bin Salman bei einem Treffen im Weißen Haus im März 2018

          In den vergangenen Wochen haben die Houthi ihre Angriffe auf Ziele in Saudi-Arabien verstärkt; sie verfügen nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste dank iranischer Hilfe sowohl über Raketen als auch unbemannte Drohnen. Am Samstag teilte das saudische Militär mit, abermals eine Drohne abgefangen zu haben. Zuvor waren am Freitag nach saudischen Angaben fünf Houthi-Drohnen abgefangen worden, die unter anderem auf den im Süden des Landes gelegenen Flughafen von Abha zugesteuert seien. Am Mittwoch waren dort bei einem Raketenangriff mindestens 26 Zivilisten verletzt worden. Ein Houthi-Sprecher hat gedroht, Saudi-Arabien stünden „schmerzhafte Tage“ bevor, brachte dies aber nicht in Zusammenhang mit der Konfrontation mit Iran, sondern mit dem saudischen Jemen-Feldzug.

          Unterdessen wurde bekannt, dass die Bundesregierung auch 2019 zahlreiche Rüstungsexporte an Saudi-Arabien sowie andere am Jemen-Krieg beteiligte Länder genehmigt hat. Ende März hatte die große Koalition den Exportstopp für Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien verlängert. Laut einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hat die Bundesregierung zwischen dem 1. Januar und dem 5. Juni jedoch Exporte im Volumen von 1,1 Milliarden Euro an sieben Länder, die der saudisch geführten Kriegsallianz angehören, genehmigt; darunter „sondergeschützte Geländewagen“ für Saudi-Arabien im Wert von rund 800.000 Euro.

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