https://www.faz.net/-gpf-9m8qd

Scharfe Kritik von Amnesty : Saudi-Arabien richtet 37 Menschen hin

  • Aktualisiert am

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Bild: DPA

Bei einer Massenhinrichtung in Saudi-Arabien wurde auch ein Minderjähriger getötet. Die Behörden werfen den Verurteilten Terrorismus vor. Menschenrechtler haben Zweifel und sehen hinter den Urteilen andere Gründe.

          In Saudi-Arabien sind nach Angaben des Innenministeriums 37 Menschen nach Terrorismus-Vorwürfen hingerichtet worden. Die saudischen Staatsbürger sollen unter anderem Terrorgruppen aufgebaut, Sicherheitskräfte angegriffen und terroristische Ideologie angenommen haben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Dienstag. Amnesty International dagegen kritisierte die „Massenhinrichtung“ und sprach von einer alarmierenden Eskalation von Todesurteilen in dem arabischen Königreich.

          „Es ist ein weiteres, grauenvolles Anzeichen dafür, wie die Todesstrafe als politisches Instrument missbraucht wird“, teilte Lynn Maalouf von Amnesty International mit. Die Mehrheit der Hingerichteten komme aus der schiitischen Minderheit des Landes. Die Männer seien in Scheinverhandlungen verurteilt worden, die jeglichen internationalen Standards widersprächen.

          Bereits 104 Hinrichtungen dieses Jahr

          Unter den Hingerichteten seien elf Männer, die wegen Spionage für Iran verurteilt worden seien, berichtete Amnesty. Mindestens 14 weitere Personen seien wegen ihrer Teilnahme an Anti-Regierungsprotesten im Osten Saudi-Arabiens in den Jahren 2011 und 2012 verurteilt worden. Zu den Verurteilten zählte demnach auch ein junger Mann, der zum Zeitpunkt der Proteste erst 16 Jahre alt war. Nach internationalem Recht ist die Todesstrafe gegen Minderjährige verboten, wie Amnesty betonte.

          In diesem Jahr seien in dem Land bereits mindestens 104 Menschen hingerichtet worden, die meisten im Zusammenhang mit Drogendelikten. Im vergangenen Jahr wurden nach unterschiedlichen Angaben von Menschenrechtsgruppen zwischen 139 und 149 Menschen in Saudi-Arabien hingerichtet. Das Königreich steht wegen der Todesstrafe international in der Kritik. In der Regel werden die Verurteilten – zum Teil öffentlich – mit dem Schwert geköpft oder erschossen.

          Weitere Themen

          Mursi starb offenbar an Herzinfarkt Video-Seite öffnen

          Ex-Präsident von Ägypten : Mursi starb offenbar an Herzinfarkt

          Am Montag bei einer Anhörung vor Gericht ist der ehemalige ägyptische Präsidenten Mohammed Mursi ohnmächtig zusammengebrochen und später gestorben. Seine Anhänger der Muslim-Brüder sprachen von einem ausgewachsenen Mord.

          Amerika verlegt weitere Soldaten in den Nahen Osten Video-Seite öffnen

          Interessen bedroht : Amerika verlegt weitere Soldaten in den Nahen Osten

          Angesichts der zunehmenden Spannungen mit dem Iran nach dem Angriff auf zwei Öltanker sehen die Vereinigten Staaten ihre Interessen in der gesamten Region bedroht. Verteidigungsminister Patrick Shanahan setzt daher auf stärkere Verteidigung im Nahen Osten.

          Topmeldungen

          Umstritten: An der geplanten Pkw-Maut gibt es viel Kritik.

          EuGH urteilt : Deutsche Pkw-Maut verstößt gegen EU-Recht

          Das Prestigeprojekt der CSU ist gescheitert: Der Europäische Gerichtshof gibt einer Klage von Österreich gegen die Maut in Deutschland statt. Die Richter halten die geplante Abgabe für diskriminierend.
          Matteo Salvini (Dritter von rechts) und Mike Pence (vierter von rechts) beim Gruppenfoto vor dem Weißen Haus am Montag

          Salvini in Washington : Imperiale Achse im Gepäck

          Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini preist bei seinem ersten Besuch in Washington Rom als verlässlichsten Partner in Europa an. Und verteilt Seitenhiebe gegen Paris, Berlin und Brüssel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.