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Saudi-Arabien : Der neue starke Mann am Golf

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Aufgerückt: Prinz Mohammed bin Salman Bild: dpa

Vor zwei Jahren war er noch fast unbekannt, doch Mohammed bin Salman gewann schnell an Einfluss. Jetzt bekommt Saudi-Arabiens neuer Kronprinz noch mehr Macht.

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          Dass dieser Schritt irgendwann kommen würde, schien klar – dass er schon jetzt kommt, hat aber viele überrascht: Saudi-Arabiens König Salman hat seine Nachfolge neu geregelt und seinen Sohn Mohammed bin Salman zum Kronprinzen ernannt. Der 31 Jahre junge Prinz wird auch Vize-Regierungschef. Zugleich behält er den Posten des Verteidigungsministers.

          Mohammed bin Salman ist einer von zwölf Söhnen des Königs aus drei Ehen. Vor dessen Inthronisierung war er weitgehend unbekannt, seitdem gewann er aber viel Einfluss in Saudi-Arabien. Er wurde Verteidigungsminister und lenkte die staatliche Ölgesellschaft. Westlichen Medien gab er mehrere Interviews – ein ungewöhnlicher Schritt für ein eher verschlossenes Land wie Saudi-Arabien. Mit seinem Auftreten stahl Mohammed bin Salman dem wesentlich älteren eigentlichen Kronprinzen, Mohammed bin Najef, die Show. Vor allem junge Menschen verbinden mit seiner Beförderung die Hoffnung auf eine gesellschaftliche Öffnung des Landes. Seine Gegner halten ihn für machtversessen.

          Als Verteidigungsminister leitete Mohammed bin Salman die Militärintervention im Jemen, wo Saudi-Arabien die Regierung unterstützt und die Huthu-Milizen zurückdrängen will. Doch die Intervention verlief bisher glücklos. Der Krieg dauert auch nach zwei Jahren noch immer an und verschlingt viel Geld, die Ziele sind nicht erreicht worden, Menschenrechtsorganisationen beklagen Kriegsverbrechen und viele zivile Opfer.

          Die Entscheidung für Mohammed bin Salmans Beförderung fällt in eine für Saudi-Arabien schwere Zeit. Der tiefe Ölpreis macht dem Land ebenso zu schaffen wie die gleich an mehreren Orten aufflackernde Rivalität mit Iran. Gegenüber Teheran verficht Mohammed bin Salman eine harte Linie, einen Dialog lehnt er kategorisch ab. Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran rivalisieren miteinander nicht nur im Jemen, sondern in einer Reihe von geopolitischen Konflikten in der Region. Sie ringen auch um Einfluss in Afrika und Asien.

          „Jetzt wird er eine freiere Hand haben“

          Politikberater Ghanem Nuseibeh nennt Mohammed bin Salman den „starken Mann in Saudi-Arabien, seit er zum stellvertretenden Kronprinzen ernannt wurde“. Trotzdem sei er bisher in seiner Arbeit durch den ungleich älteren Kronprinzen Mohammed bin Najef eingeschränkt worden, auch weil dieser noch konservativer sei. „Jetzt wird er eine freiere Hand haben“, sagt Nuseibeh.

          Schon länger verfolgt Mohammed bin Salman das Ziel, Saudi-Arabien unabhängiger vom Öl zu machen – unter anderem auch durch den Verkauf von Anteilen am saudischen Ölgiganten Saudi Aramco. Als Kronprinz mit ungleich größerer Machtfülle dürfte Mohammed bin Salman diese Strategie nun umso nachhaltiger verfolgen.

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