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Saudi-Arabien : Der Nährboden des Terrors

Weltweite Lehre der „wahren islamischen Identität“

Seit ihrer Gründung 1961 haben etwa 45.000 religiöse Kader aus mehr als 160 Ländern an der Islamischen Universität studiert. Weitere zehntausend Schüler und Studenten haben weitere saudische Bildungseinrichtungen im Ausland und in Saudi-Arabien besucht. So unterhält die 1974 gegründete Islamische Universität Imam Ibn Saud Zweigstellen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Indonesien, Malaysia, Djibouti, Japan und den Vereinigten Staaten. Auch diese Universität hat den Auftrag, die „wahre islamische Identität“ zu vermitteln.

Sie sind nicht die einzigen Hochschulen, die im Ausland auf saudische Initiative gegründet wurden und weiter zu einem großen Teil aus Saudi-Arabien finanziert werden. Im Tschad wurde 1991 die König-Faisal-Universität eröffnet, und bereits 1980 hatten in Pakistan die OIC und der damalige Geheimdienstchef Turki al Faisal Al Saud die Islamische Universität Islamabad gegründet. Im Afghanistan-Krieg war sie Anlaufstelle für viele arabische Kämpfer auf dem Weg in den Dschihad.

Gründe für den saudischen Islam-Export

Der innerarabische Kalte Krieg zwischen Saudi-Arabien und Ägypten hatte den saudischen Islam-Export angestoßen. Drei Ereignisse des Jahres 1979 trieben das Königreich dazu, diesen massiv auszuweiten. Den Anfang machten im Februar die Revolution in Iran und die Drohung von Revolutionsführer Chomeini, den revolutionären schiitischen Islam in die konservativen sunnitischen Monarchien zu exportieren. Dann besetzten am 20. November, dem ersten Tag des islamischen Jahres 1400, vierhundert Anhänger des radikalislamischen Predigers Dschuhaiman al Utaibi die Große Moschee von Mekka und riefen zum Sturz der „korrupten und unislamischen Dynastie“ Al Saud auf.

Dschuhaiman war Absolvent der Islamischen Universität von Medina und Schüler von Abd al Aziz Ibn Baz, der 1994 zum Großmufti Saudi-Arabiens aufstieg und zu den reaktionärsten saudischen Theologen des 20. Jahrhunderts zählt. Dschuhaiman wandte sich von ihm 1974 ab, weil er seinem Lehrer Kollaboration mit dem Haus Saud vorwarf. Die Besetzung der Großen Moschee stellte die islamische Legitimation des Hauses Saud in Frage. Das Königshaus hätte darauf mit einer Öffnung und mehr Toleranz für andere reagieren können. Das Gegenteil geschah. Es gab den islamischen Theologen mehr Macht und Mitsprache, islamisierte das Bildungswesen und stattete die Religionspolizei mit mehr Kompetenzen aus.

Gleichzeitig exportierte das Haus Saud die radikalislamischen Dissidenten: Die Extremisten sollten sich in Afghanistan austoben, und die saudische Führung glaubte, sich mit der Unterstützung extremistischer Bewegungen in der islamischen Peripherie eine neue Legitimation als islamische Führungsmacht zu verschaffen. Zehntausende arabische Dschihadisten zogen nach Afghanistan. Von dort zogen sie zu anderen Konfliktherden weiter, nach Kaschmir und Tschetschenien, nach Algerien und Bosnien.

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