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Saudi-Arabien : Der Nährboden des Terrors

„Kalaschnikow statt Koran“ : IS-Aussteigerin berichtet

Radikalisierung der saudischen Jugend

Dem arabischen Nationalismus Nassers setzte der fromme damalige König Faisal seine neue Politik der „islamischen Solidarität“ entgegen. Das Programm umriss Faisal in einer Rede während der Pilgerfahrt in Mekka 1968, als er bereits vier Jahre König war: „Wir wollen eine islamische Wiedergeburt ohne Nationalismus, Ethnien und politische Parteien, aber mit dem Ruf des Islams und dem Ruf des Dschihad, um unsere Religion zu verteidigen.“ Zu diesem Zeitpunkt war Saudi-Arabien bereits die führende Macht Arabiens. Nasser hatte mit der demütigenden Niederlage gegen Israel im Sechstagekrieg von 1967 seinen Führungsanspruch verloren. Als zwei Jahre später in Jerusalem die Al-Aqsa-Moschee brannte, berief König Faisal ein „islamisches Gipfeltreffen“ ein, was Nassers säkulare Bewegung weiter schwächte. Daraus entstand die „Organisation der Islamischen Konferenz“ (OIC), die heute „Konferenz für islamische Zusammenarbeit“ heißt, als Zusammenschluss islamischer Staaten und zweites Instrument Saudi-Arabiens, Einfluss auf andere Länder der islamischen Welt zu nehmen.

Ein Überblick: Islamische Organisationen gefördert durch Saudi Arabien weltweit.
Ein Überblick: Islamische Organisationen gefördert durch Saudi Arabien weltweit. : Bild: F.A.Z.

In den siebziger Jahren stellte Saudi-Arabien die Weichen für die kommenden Jahrzehnte. „König Faisal band die wahhabitischen Theologen in die staatliche Bürokratie ein und gründete dazu 1972 den Rat der Höchsten Religionsgelehrten“, sagt Ulrike Freitag, die Direktorin des Berliner Zentrums für den Modernen Orient und eine der besten Kennerinnen des heutigen Saudi-Arabiens. Daneben sei das islamisch geprägte Bildungswesen stark ausgebaut worden, was zur Radikalisierung der saudischen Jugend beigetragen hat, zumal sie nach 1973 weniger Arbeitsplätze vorfand, da der Anteil der nichtsaudischen Arbeiter von weniger als zehn Prozent an der Bevölkerung auf ein Drittel stieg.

Universität im Dienste des Staats

Dank des raschen Anstiegs des Ölpreises von 1973 an konnte Saudi-Arabien nun für seine Politik der „islamischen Solidarität“ jedes Jahr mehr als fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts ausgeben. Dazu zählen auch die großzügigen Stipendien, die das Königreich bis heute an nichtsaudische Studenten der Islamischen Universität von Medina zahlt. Gegründet wurde die Universität 1961 als Gegenentwurf zur Azhar-Universität in Kairo, die fast ein Jahrtausend lang die wichtigste Lehrstätte des sunnitischen Islams gewesen war. In der Charta der Islamischen Universität von Medina heißt es, sie solle die Botschaft des Islams in die Welt tragen und dazu Studenten aus allen Ländern ausbilden. Die Universität habe sich gut in die Außenpolitik von König Faisal eingefügt, kommentiert der von den Komoren stammende Historiker Chanfi Ahmed, der über den Einfluss Saudi-Arabiens in Afrika forscht. Inzwischen hatte der saudische Islam auch in der religiösen Erziehung einen Führungsanspruch übernommen.

Delegationen der Universität reisten nach ihrer Gründung über Monate in Afrika, um junge Muslime für Stipendien auszuwählen und muslimischen Gemeinden Gelder zu übergeben. Sie wählten Orte aus, in denen Absolventen der Universität tätig werden sollten, und sie luden islamische Führer nach Saudi-Arabien ein. Zunächst kamen die Studenten überwiegend aus Afrika, vom indischen Subkontinent und aus Indonesien. Nach dem Studium kehrten sie als Missionare und inoffizielle Botschafter Saudi-Arabiens in ihre Länder zurück. Erst mit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan im Dezember 1979 rückten Zentralasien und Pakistan in den missionarischen Fokus der Universität.

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