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Sarkozy verliert die Contenance : „Bis morgen, pädophile Freunde!“

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Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy: „Können Sie sich rechtfertigen?” Bild: dpa

In der sogenannten Karachi-Affäre um ein umstrittenes U-Boot-Geschäft werden neue Vorwürfe gegen Nicolas Sarkozy laut. Der französische Staatspräsident gerät in Erklärungsnot und verliert in einem Gespräch mit Journalisten die Contenance.

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          Die Karachi-Affäre bereitet dem französischen Staatspräsidenten Sarkozy neues Ungemach. Bei einer Durchsuchung im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium soll der zuständige Untersuchungsrichter auf handschriftliche Notizen gestoßen sein, die eine Verwicklung Sarkozys in das U-Boot-Geschäft nahelegen. Das berichtete die Zeitung „Le Parisien“ am Dienstag.

          Sarkozy soll demnach als Haushaltsminister der Regierung Balladur (1993 bis 1995) die Finanzierung des Rüstungsgeschäftes und der Provisionszahlungen überwacht haben. Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung war schon ein luxemburgischer Polizeibericht gekommen, der die Finanzströme der in Luxemburg angesiedelten, unter Sarkozy als Haushaltsminister gegründeten Briefkastenfirma Heine untersucht hatte.

          Die Regierung Balladur hatte 1994 drei U-Boote des Typs Agosta an Pakistan verkauft. Das 850-Millionen-Euro-Geschäft war mit einer Provision an Mittelsmänner in Höhe von 84 Millionen Euro verbunden. Es besteht der Verdacht, dass ein Teil der Provisionen nach Frankreich zurückgeflossen ist und die Wahlkampfkasse des Präsidentschaftskandidaten Edouard Balladur alimentiert hat. Sarkozy stand damals Balladur nahe und trat als Wahlkampfsprecher auf.

          Bislang hat die französische Staatsführung unter Verweis auf das Verteidigungsgeheimnis alle sachdienlichen Dokumente unter Verschluss gehalten. Premierminister Fillon lehnte jetzt ein Gesuch des zuständigen Untersuchungsrichters ab, Zugang zu den Archiven des Geheimdienstes DGSE zu erhalten.

          Der Untersuchungsrichter hatte vor einem Jahr neue Ermittlungen zu einem Anschlag in Karachi angeordnet, der am 8. Mai 2002 elf Franzosen das Leben kostete, die für die Werft DCN arbeiteten; er will herausfinden, ob der Anschlag erfolgte, weil Frankreich zugesagte Kommissionszahlungen für das Rüstungsgeschäft mit Pakistan eingestellt hatte. Der Präsident der Nationalversammlung, Bernard Accoyer, wies am Dienstag den Antrag der Sozialisten zurück, einen neuen Parlamentsausschuss zur Aufklärung des Anschlags einzuberufen.

          Wie erst jetzt bekannt wurde, verlor Sarkozy in einem vertraulichen Gespräch mit Journalisten in Lissabon die Contenance. Er wies einen Journalisten zurecht, der ihn auf die Karachi-Affäre ansprach: „Und Sie? Ich habe nichts gegen Sie. Es scheint aber, als wären Sie pädophil. Wer mir das gesagt hat? Ich habe eine innere Überzeugung. (...) Können Sie sich rechtfertigen?“ Sarkozy soll sich mit den Worten verabschiedet haben: „Bis morgen, pädophile Freunde!

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