https://www.faz.net/-gpf-77sae

Sarkozy in Libyen : Zurück in die Zukunft

Begeistert empfangen: Der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy an diesem Dienstag in Tripolis Bild: AFP

Der ehemalige französische Staatspräsident Sarkozy lässt sich zwei Jahre nach Beginn der Luftschläge gegen das Gaddafi-Regime in Tripolis als Befreier Libyens rühmen. In der Heimat wächst die Sarkozy-Nostalgie, weil seine Landsleute an seinem Nachfolger im Elysée-Palast verzweifeln.

          2 Min.

          Eine Reise zurück in die Zukunft hat sich Nicolas Sarkozy ausgemalt, als er am Dienstag nach Tripolis flog. Genau zwei Jahre ist es her, dass der Präsident vom Elysée-Palast aus den Beginn der Luftschläge gegen das Regime des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi verkündete. Am Dienstag nun hat sich Sarkozy auf Einladung des Bürgermeisters von Tripolis von seinen Gastgebern als Kriegsherr rühmen lassen, der Libyen befreite.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bei der Unterredung mit dem libyschen Ministerpräsidenten Ali Zeidane war auch Sarkozys treuer Außenminister Alain Juppé mit von der Partie. Nur der Intellektuelle Bernard-Henri Levy, der Sarkozy zu der Militärintervention gedrängt hatte, fehlte in der Delegation. Aus Tripolis hieß es, seine Sicherheit habe nicht gewährleistet werden können.

          Staatstragend: Sarkozy und der libysche Ministerpräsident Ali Zeidane

          Wachsende Sarkozy-Nostalgie

          Sarkozy ruft sich mit dem Besuch nicht den Libyern, sondern vor allem seinen Landsleuten in Erinnerung, die mehrheitlich am neuen Hausherrn im Elysée-Palast verzweifeln. In der Umfragegunst erreicht Sarkozy wieder Höhen, die ihm als Präsident nur in seinen Anfängen vergönnt waren.

          Es passt gut zur wachsenden Sarkozy-Nostalgie, dass dessen singende Ehefrau am Dienstag eine Lobeshymne auf ihren Gatten enthüllte. „Er macht alles gut“, säuselt Carla Bruni, „il a tout bon“, und weil es sich besser reimt, nennt sie ihn „Raymond“.

          In der UMP geht unterdessen der Kleinkrieg weiter, in den die stolze Präsidentenpartei nach der Wahlniederlage stürzte. Statt vor dem Misstrauensvotum gegen die Linksregierung unter Premierminister Jean-Marc Ayrault an diesem Mittwoch die Reihen zu schließen, flammt der Streit unter den UMP-Abgeordneten wieder auf.

          Umstrittener Misstrauensantrag

          Der Abgeordnete und Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, beschwerte sich am Dienstag im Fernsehsender LCI, er habe den Misstrauensantrag nicht unterzeichnen können, weil der Übergangsparteivorsitzende Jean-François Copé ihn bewusst ausgeschlossen habe. „Wir sind einfach nicht gefragt worden“, kritisierte Estrosi und zitierte andere Wortführer aus der UMP-Fraktion, deren Unterschriften fehlen: François Baroin, Laurent Wauquiez, Luc Châtel und Jérôme Chartier. Estrosi bedauerte, dass Copé auf diese Weise nur einen Teil der UMP-Abgeordneten für den Misstrauensantrag gewinnen konnte: „Es wäre möglich gewesen, die gesamte Fraktion zu vereinen.“

          Auch der frühere Premierminister François Fillon, der den Misstrauensantrag immerhin mit unterzeichnen durfte, sparte nicht mit Kritik. Der Zeitpunkt, den Copé für die Abstimmung gewählt habe, sei denkbar ungeschickt, monierte Fillon. Viel besser wäre es doch gewesen, den sozialistischen Premierminister im Juni in der Nationalversammlung zur Rede zu stellen, wenn die Regierung ihren Sparplan in Brüssel vorstellen müsse.

          Es besteht indes kein Zweifel daran, dass die Linksregierung den ersten Misstrauensantrag seit der Amtsübernahme durch Präsident François Hollande vor knapp einem Jahr überstehen wird. Die Linke hat eine klare Mehrheit in der Nationalversammlung und auch wenn die Unzufriedenheit über die eigene Krisenpolitik wächst, wollen sich die Abgeordneten der Präsidentenmehrheit keine Blöße geben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.
          Glücklicher Kapitän: Marco Reus bringt den BVB in Führung.

          1:0 gegen Mönchengladbach : Der BVB meldet sich zurück

          Die eine Borussia gewinnt, die andere bleibt zumindest bis Sonntag Tabellenführer: Der BVB vermeidet ausnahmsweise mal einen späten Ausgleich und schließt zu Mönchengladbach auf. Ein Tor des Kapitäns genügt in einem rasanten Spiel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.