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Sanna Marin : Finnland wird von Frauen regiert

Von Dienstag an die jüngste Regierungschefin der Welt: Sanna Marin, 34 Bild: EPA

Wenn Sanna Marin am Dienstag zur neuen finnischen Ministerpräsidentin gewählt wird, ist die 34-Jährige die jüngste Regierungschefin der Welt. Mit ihr sitzen an den wichtigen Positionen in Finnlands Regierung ausschließlich Frauen.

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          Sanna Marin ist so etwas wie das letzte Puzzlestück. Wenn sie an diesem Dienstag im finnischen Parlament als Ministerpräsidentin bestätigt wird, woran es keine Zweifel gibt, ist das Bild komplett: Dann sitzen an den wichtigen Positionen in Finnlands Regierung ausschließlich Frauen. Und mit der gerade mal 34 Jahre alten Marin sogar die gegenwärtig jüngste Regierungschefin der Welt ganz vorne an der Spitze.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Dass es dazu kommen würde, war vor kurzem noch nicht abzusehen. Antti Rinne führte die Koalition aus fünf Parteien, neben seinen Sozialdemokraten sind es die Zentrumspartei, die Grünen, die Linken und die Schwedische Volkspartei, die Partei der schwedischen Minderheit, und alle diese vier Koalitionspartner werden schon von Frauen geführt.

          Im April erst hatten die Finnen ihr Parlament gewählt, die Sozialdemokraten knapp vor der rechtspopulistischen „Finnen“-Partei gewonnen. Im Frühsommer hatte Rinne dann seine Koalition zusammen und wurde zum Ministerpräsidenten gewählt. Er sollte es aber nicht lange bleiben – gestürzt wurde er ausgerechnet von einem Koalitionspartner, der Zentrumspartei. Die staatliche Post hatte ihren Paketsortierern ein Angebot gemacht, dass sie nur ablehnen konnten: Es wäre auf eine Lohnkürzung hinausgelaufen. Es gab Streik und das Angebot wurde zurückgezogen.

          Marin als Kandidatin

          Danach aber wurde es politisch erst richtig heikel, als zu klären war, was die Regierung von dem Angebot gewusst und ob sie es gutgeheißen hatte. Rinne machte bei einer Befragung im Parlament dazu keine gute Figur, zumindest sah es die Zentrumspartei so und entzog ihm das Vertrauen. Die Alternativen: Entweder geht Rinne oder die Koalition platzt. Rinne ging, die Koalition hielt. Nur brauchten die Sozialdemokraten einen Ministerpräsidenten. Schnell fielen die Blicke auf Marin. Am Sonntagabend setzte sie sich in der entscheidenden Sitzung der Parteiführung knapp durch.

          Sanna Marin wurde 1985 in Helsinki geboren, wuchs aber nahe Tampere auf, wo sie auch ihr Studium der Verwaltungswissenschaften abschloss. Sie ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. In einem Brief an die Parteimitglieder schrieb sie am Wochenende, wie dankbar sie dem Sozialstaat sei und wie sehr sie selbst von ihm profitiert habe. Sie habe eine sichere Kindheit und eine Ausbildung gehabt und habe ihre Träume verfolgen können. Sie wisse also um die Bedeutung des Sozialstaates und darum, dass die Sozialdemokraten dessen wichtigster Verteidiger seien.

          Marin hatte Rinne bereits im Wahlkampf an der Spitze der Sozialdemokraten vertreten, als dieser länger krank war. Anfang nächsten Jahres dürfte sie dann auch als neue Parteivorsitzende gewählt werden. Als Ministerpräsidentin geht es nun erst einmal mit denselben Partnern und demselben Programm weiter, aber die Aufgaben werden nicht kleiner. Nicht nur,  weil es zu viel zu tun gibt mit dem EU-Ratsvorsitz, den ehrgeizigen Klimazielen oder dem Erhalt des Wohlfahrtsstaates. Auch die Umfragewerte werden Marin stets daran erinnern, dass die Sozialdemokraten an Neuwahlen kein Interesse haben dürften. Sie stehen derzeit lediglich bei gut 13 Prozent. Die mit Abstand stärkste Kraft in Finnland sind die Rechtspopulisten.

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