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Sahel-Gipfeltreffen : Werden sich Paris und Berlin beim Antiterrorkampf einig?

Mauretanische Soldaten der G5-Sahel-Taskforce Bild: AFP

In Frankreich sinkt die Zustimmung für den Militäreinsatz im Sahel. Die Regierung in Paris dringt daher auf eine gerechtere Lastenteilung. Doch Deutschland hält sich zurück.

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          Aus dem deutsch-französischen Schulterschluss im afrikanischen Wüstenstaub wird nun doch nichts. Außenminister Heiko Maas und Präsident Emmanuel Macron reisen nicht wie ursprünglich geplant an diesem Montag zum Sahel-Gipfeltreffen in den Tschad. Sie werden nur per Videoübertragung an der Tagung der Staatschefs Mauretaniens, Nigers, Malis, Burkina Fasos und Tschads in der Hauptstadt N’Djamena teilnehmen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Dort wird über bessere Hilfen zur Abwehr der Terrorbedrohung, zur Stabilisierung der Region und zur humanitären Unterstützung beraten. Seit französische Streitkräfte vor acht Jahren den Vormarsch dschihadistischer Terrormilizen in Mali stoppten, hat sich auch die Bundeswehr immer stärker in dem krisengeschüttelten Land engagiert.

          Deutschland beteiligt sich an der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen (Minusma) und hilft dabei, einheimische Soldaten und Polizisten auszubilden. Fünf Sahel-Staaten haben 2014 auf deutsch-französischen Anstoß eine gemeinsame militärische Eingreiftruppe geschaffen, um den Antiterrorkampf im gesamten Sahel-Raum zu verstärken. Trotzdem haben sich Zahl und Ausbreitung von Anschlägen und Attacken vergrößert. Macron bat die Deutschen vor Jahresfrist erfolglos um direkte militärische Unterstützung für den Antiterroreinsatz. Die Bundesregierung zeigte sich lediglich willens, ihr Bekenntnis zur Unterstützung in allgemeiner Form zu bekräftigen.

          Die Kritik an der Operation Barkhane wächst

          Der französische Präsident sucht nach einer Alternative zur aktuellen Strategie des „Ausharrens und Weitermachens“ für seine Truppen. Er strebt eine „Anpassung“ der „militärischen Anstrengungen“ Frankreichs an, wie er in seiner Neujahrsansprache an die Streitkräfte betonte. Die Frage einer besseren Lastenteilung soll beim Gipfel in N’Djamena im Vordergrund stehen. Die Einsatztruppe des Militärbündnisses müsse besser genutzt werden, so der französische Wunsch. Macron würde gern rechtzeitig vor den Präsidentenwahlen im nächsten Frühjahr eine französische Truppenverkleinerung verkünden. Der Militäreinsatz „Barkhane“, die größte Auslandsmission der Streitkräfte, stößt auf immer größere Kritik in der Sahel-Region. Wurden die Franzosen vor acht Jahren noch als Befreier gefeiert, gelten sie inzwischen vielen als Besatzer mit neokolonialen Ambitionen.

          Bild: F.A.Z.

          Auch in der Heimat bröckelt die Zustimmung. 57 französische Soldaten sind gefallen, zu Jahresbeginn starb zum ersten Mal eine Soldatin bei einem Anschlag mit einem Sprengsatz. Im Informationskrieg habe man Verluste hinnehmen müssen, räumte der Kommandant der französischen Militäroperation Barkhane, General Marc Conruyt, bei einem Austausch mit Journalisten kurz vor dem Gipfel ein. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, bei einem französischen Luftangriff am 3. Januar bei Bounti seien 20 Gäste einer Hochzeitsgesellschaft getötet worden. Die Mission Minusma hat Ermittlungen eingeleitet. Der französische Kommandant hebt hervor, er wolle das Ermittlungsergebnis abwarten.

          „Weniger Truppen bedeutet weniger Aktionen im Antiterrorkampf“, sagte der General zu einem französischen Rückzug. Er lenkte damit das Augenmerk auf die Tatsache, dass die vereinbarte Lastenteilung mit den Sahel-Ländern und den europäischen Partnern die Gefahrenlage nicht spürbar verändert hat. Die Europäer beteiligen sich wie Deutschland entweder gar nicht an Kampfhandlungen oder kommen ihren Versprechen nur schleppend nach.

          Amerika verstärkt unter Biden sein Engagement

          Auch in der europäischen Kampftruppe Takuba trägt Frankreich wieder die Hauptverantwortung mit 115 Soldaten. 30 estnische und 30 tschechische Elitesoldaten beteiligen sich, das sind weniger als erhofft. Verstärkung soll demnächst durch 150 schwedische Elitesoldaten kommen, die aber nicht voll integriert werden dürfen. Im Elysée-Palast wurde die Hoffnung geäußert, dass Dänemark, Griechenland und Ungarn Soldaten entsenden könnten. Auch eine Beteiligung von Kampfeinheiten aus Serbien und der Ukraine sei in Beratung, heißt es in Paris.

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