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Säkulare gegen Orthodoxe : Israelis demonstrieren gegen religiösen Fanatismus

  • Aktualisiert am

Für ein tolerantes Israel: Demonstranten in Beit Schemesch Bild: dpa

Mehrere tausend Menschen haben in Israel gegen Übergriffe ultraorthodoxer Juden auf säkulare Bürger protestiert. Die Spannungen zwischen ultraorthodoxen und säkularen Juden nehmen seit Wochen zu.

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          In Israel haben mehrere tausend Menschen gegen Übergriffe ultraorthodoxer Juden auf säkulare Bürger protestiert. "Wir wollen kein Teheran werden", hieß es auf Plakaten der Demonstranten, die sich am Dienstagabend in Beit Schemesch nahe Jerusalem versammelten. Präsident Schimon Peres hatte zuvor eindringlich zur Teilnahme an dem Protest aufgerufen. "Wir kämpfen für das Herz der Nation und um den Kern des Staates", äußerte Peres.

          Die Spannungen zwischen ultraorthodoxen und säkularen Juden nehmen seit Wochen zu. Rund zehn Prozent der knapp acht Millionen Israelis sind ultraorthodoxe Juden, die eine besonders strenge Auslegung religiöser Vorschriften verfechten und zunehmend gewaltsam dafür eintreten. Auslöser für ihren Protest war unter anderem der Fall eines Mädchens, das auf dem Schulweg von ultraorthodoxen Männern angespuckt worden war, weil es angeblich nicht züchtig genug gekleidet war.

          "Wir kämpfen um den Charakter des israelischen Staates nicht nur in Beit Schemesch und nicht nur wegen der Ausgrenzung von Frauen", sagte die sozialdemokratische Oppositionsführerin Zipi Livni in einer Rede vor den Demonstranten. "Wir kämpfen gegen alle Extremisten, die uns ihre Sicht der Dinge aufzwingen wollen." Peres äußerte: "Niemand hat das Recht, ein Mädchen zu bedrohen oder eine Frau oder irgendjemanden auf welche Weise auch immer." Die Strenggläubigen seien "nicht die Herren des Landes".

          Siedlung in Ostjerusalem weiter ausgebaut

          In Jerusalem haben Rabbiner verlangt, Plakate mit Fotos von Frauen abzuhängen und keine Frauen in religiösen Geschäften zu beschäftigen. In Beit Schemesch haben die Strenggläubigen durchgesetzt, dass Frauen auf Schildern aufgefordert werden, ihre Viertel zu meiden. Als Polizisten eines der Schilder abmontieren wollten, wurden sie von Orthodoxen angegriffen. In der Stadt 30 Kilometer vor Jerusalem leben viele Strenggläubige. Auch die Schas-Partei, ein ultraorthodoxer Koalitionspartner von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, verurteilte die Gewalt.

          Unterdessen baut Israel die Siedlung Gilo im Ostteil Jerusalems aus. Die Stadtverwaltung genehmigte am Mittwoch den Bau von 130 neuen Wohnungen in dem mehrheitlich arabischen Stadtteil, wie ein Stadtrat mitteilte. Geplant seien drei Wohntürme mit je zwölf Stockwerken. Kurz vor Weihnachten hatte die Regierung die Ausschreibung für den Bau von tausend neuen Wohnungen in Ost-Jerusalem und nahe Bethlehem angekündigt. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Portugal hatten diese Entscheidung in einer gemeinsamen Erklärung als "verheerend" bezeichnet.

          Militante Palästinenser im Gazastreifen feuerten derweil am Mittwoch zwei Raketen in Richtung Israel ab, die aber keinen Schaden anrichteten. Zuvor war bei zwei israelischen Luftangriffen im Norden des Gazastreifens am Dienstagabend mindestens ein militanter Palästinenser getötet worden. Zwölf weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der medizinische Notdienst in dem Palästinensergebiet mit.

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