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Saddam Hussein : Saladin und Nebukadnezar als Vorbild

Verehrung kennt keine Grenzen: Pro-Saddam-Demo im Westjordanland Bild: AP

Auch nach seinem Tod wirft Saddam Hussein einen langen Schatten. Mit seiner Propaganda vom Panarabismus und seinen Kriegen gegen Nachbarländer hat er die arabische Welt auf einen konfliktreichen Weg gebracht.

          Auch nach seinem Tod wirft Saddam Hussein einen langen Schatten. Nicht nur eine kleine Fußnote der Geschichte füllt er, sondern ein eigenes Kapitel. Selbst wenn Saddam Hussein seit seinem Sturz keinen Einfluss mehr auf die Aufständischen hat, tragen der Irak und die Araber schwer an seinem Erbe: Spaltung und Zerrissenheit der irakischen Gesellschaft sind die Folge seiner fast drei Jahrzehnte dauernden Despotie. In der arabischen Welt hat er zudem Konflikte verursacht und zu einer Kultur der Gewalt beigetragen, die ihn noch lange überleben wird.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Dem ägyptischen Präsidenten Nasser jubelten die Massen zu, weil er den Arabern die Unabhängigkeit von den alten Kolonialherrn und ein neues Gefühl der Würde gab. Der frühere syrische Präsident Hafez al Assad wollte Israel ein strategisches Gleichgewicht abtrotzen und steigerte das Selbstvertrauen der Araber. Keiner von ihnen setzte dazu aber eine destruktive Demagogie und unablässige Propagandamaschine ein wie Saddam Hussein.

          „Hochzeit der Märtyrer“

          Nirgends war die eigene Geschichte so allgegenwärtig und alltäglich wie in Saddams Irak. Keiner erzeugte wie er die Illusion, sein brutales Tun sei nur die Fortsetzung der ruhmreichen Geschichte der Araber und der Muslime. Keiner flocht gekonnt wie er Koranverse in seine Reden ein. All das diente der Legitimierung seiner Politik der Gewalt.

          Demonstrierende Palästinenser nahe Hebron

          Für sich hatte Saddam Hussein eine historische Mission beansprucht. Seinen Geburtstag legte er auf den 28. April 1937, den 800. Geburtstag von Saladin. Beide stammen aus der Provinz Takrit. Wie Saladin wollte Saddam die Araber einen und die „Kreuzritter“ vertreiben, Jerusalem und Palästina befreien, auch Syrien und Ägypten. Auf König Nebukadnezar berief er sich schließlich, um die Juden abermals in eine „babylonische“ Gefangenschaft zu führen.

          Saddam Hussein war Führer, Ideologe und Propagandachef. Ein arabischer Intellektueller nannte ihn einmal den „Meister des Worts“. Im Westen wurde er nur durch seine belächelte Wortschöpfung von der „Mutter aller Schlachten“ bekannt. Da hatte er schon den Genozid gegen die Kurden längst nach einem Koranvers („Anfal“) benannt. Seit langem pries er den Tod im Krieg als die „Hochzeit der Märtyrer“. Schon 1975, lange vor allen anderen, hatte Saddam erkannt, wie er mit dem „Märtyrertum“ Menschen motivieren konnte, und an die Zusage des Korans erinnert, dass jeder, der im Kampf für Gott sterbe, gleich ins Paradies eingehe. Heute begehen im irakischen Bürgerkrieg diese Märtyrer für ihre eigenen Ziele Selbstmord.

          Saddam als Prophet

          Kein Zufall war es, dass sich der blutige Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak nach dem Ende seines Regimes entzündete. Saddam Hussein hatte sich als der Bannerträger des „arabischen Nationalismus“ feiern lassen. Er wollte den Zerfall der arabischen Welt in viele Staaten überwinden, die der Kolonialismus hinterlassen hatte. Von den drei Volksgruppen des Iraks erkannte er aber nur die irakischen Sunniten als Araber an -, natürlich nicht die Kurden, auch nicht die irakischen Schiiten. Die meisten Mitglieder seiner Baath-Partei waren Sunniten. Als unzuverlässig und als verlängerter Arm Irans wurden die Schiiten verdächtigt. In seinem „Politischen Wörterbuch“ schrieb Saddam aber, die „neue Religion der Iraner“, also die Schia, habe mit dem Islam nichts zu tun.

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