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Fast 40 Zwischenfälle : Russlands Spiel mit dem Feuer

  • Aktualisiert am

Ein russisches Tankflugzeug versorgt zwei Kampfjets, fotografiert von der norwegischen Luftwaffe über internationalen Gewässern (Archivbild) Bild: dpa

Eine neue Studie listet an die 40 Fälle gefährlicher russischer Manöver und absichtlicher Luftraumverletzungen auf, die leicht hätten eskalieren können. Die Zahl der Provokationen hat stark zugenommen.

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          Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise haben sicherheitsrelevante Vorfälle zwischen Russland und den Nato-Staaten seit März stark zugenommen. Sie sind überdies gefährlicher geworden. Das ist das Ergebnis einer soeben veröffentlichten Studie des „European Leadership Network“, die fast 40 solcher Vorfälle auflistet.

          Unter ihnen sind Verletzungen nationaler Lufträume, Beinahe-Zusammenstöße in der Luft und auf See sowie „andere gefährliche Ereignisse, die sich regelmäßig in einem weiten geographischen Raum ereignen“. Diese Ereignisse „ergeben ein zutiefst verstörendes Bild“, folgert der Think Tank. Allein in diesem Jahr hätten Nato-Staaten schon mehr als hundert russische Flugzeuge abgefangen, das seien dreimal mehr als im ganzen vergangenen Jahr.

          Beinahe-Kollision, Entführung, U-Boot-Jagd

          Die Autoren der Studie „Gefährliches Spiel mit dem Feuer - Nahe militärische Begegnungen zwischen Russland und dem Westen 2014“ identifizieren drei „Hochrisikoereignisse“, bei denen es schnell zu einer Eskalation hätte kommen können:

          • die Beinahe-Kollision zwischen einer Maschine der skandinavischen Fluglinie SAS mit 132 Passagieren an Bord und einem russischen Aufklärungsflugzeug, das seine Position nicht übermittelte, im März südlich des schwedischen Malmö;
          • die Entführung des estnischen Agenten Eston Kohver von einem estnischen Grenzposten nach Moskau durch russische Agenten im September;
          • die größte Anti-U-Boot-Operation in Schweden seit dem Kalten Krieg, die im Oktober durch das Eindringen eines nicht identifizierten, vermutlich russischen U-Bootes ausgelöst wurde.

          Überdies listet die Studie elf „ernste Zwischenfälle mit Eskalationspotential“ auf, unter ihnen sind mehrere bedrohliche Manöver russischer Kampfflugzeuge. In einem Fall verletzten sie „absichtlich“ den schwedischen Luftraum, vermutlich, „um die nach vorhergehenden Vorfällen verstärkten Sicherheitsvorkehrungen zu testen“.

          Die meisten der in dem Bericht erwähnten Vorfälle ereigneten sich über der Ostsee. Es kam allerdings auch zu Zwischenfällen über der Nordsee, im Schwarzen Meer und entlang der kanadischen und amerikanischen Grenzen.

          Die Autoren der Studie rufen die russische Führung dazu auf, „dringend die Kosten und Risiken ihrer selbstbewussten militärischen Haltung neu zu bewerten“. Beide Seiten sollten militärische und politische Zurückhaltung üben sowie die Kommunikation mit der jeweils anderen Seite verbessern.

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