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Russlands Präsident Putin : Antiamerikanismus als Kult

Wladimir Putin pflegte auf dem Forum des Valdai-Clubs den russischen Antiamerikanismus. Bild: dpa

Viele der Äußerungen des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump hört man im Kreml gerne. So richtig einschätzen kann Moskau den Kandidaten aber nicht. Trotzdem ergreift es deutlich Partei für ihn.

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          Am Donnerstag sprach Russlands Präsident Wladimir Putin vor dem Valdai-Club, einer Gesprächsrunde von Fachleuten und Politikern, die in diesem Jahr in Sotschi am Schwarzen Meer zusammenkam. Putin erwähnte kurz seine Zukunft („Ich bin noch nicht in Rente“) und kam dann auf „unsere Partner“ zu sprechen, die, anstatt Probleme zu lösen, immerfort Moskau beschuldigten. „Aber die Sache ist, dass Russland nicht vorhat, irgendjemanden anzugreifen“, sagte Putin. Es folgte Russlands Blick auf den amerikanischen Wahlkampf: Die „angebliche Einmischung“ sei „Hysterie“. Die Vereinigten Staaten hätten genug Probleme, sagte Putin und zählte einige auf. Davon solle die Öffentlichkeit mit „russischen sogenannten Hackern, Spionen, Einflussagenten“ abgelenkt werden. „Kann sich jemand ernsthaft vorstellen, dass Russland irgendwie die Wahl des amerikanischen Volkes beeinflussen kann?“, fragte Putin. „Amerika ist nicht eine Art von Bananenrepublik, sondern eine Großmacht. Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich falsch liege“, sagte Putin zur Belustigung des Publikums. „Leider“, fuhr der Präsident fort, verfüge er nicht über eine „Propagandamaschine“, um die öffentliche Meinung in westlichen Staaten bei Volksabstimmungen und Wahlen entscheidend zu beeinflussen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          In Wirklichkeit laufen die Auslandsmedien des Kremls, der Fernsehsender RT (früher: Russia Today) und die Online-Agentur Sputnik, in diesem Jahr zu großer Form auf. Vor dem Referendum in den Niederlanden zum Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU im April machte man Stimmung dagegen, vor der Abstimmung über den Brexit im Juni dafür – und stand jeweils auf Seiten der Sieger. Vor den amerikanischen Wahlen bedienen die englischsprachigen Auftritte von RT und Sputnik (wie die staatlichen und kremlnahen Medien, die sich an das russische Publikum richten) Positionen des republikanischen Kandidaten Donald Trump. Zu erfahren ist zum Beispiel, dass die demokratische Kandidatin Hillary Clinton schwer krank sei, dass die Stimmzettel gefälscht würden oder dass der amerikanische Präsident Barack Obama und Clinton die Terrororganisation „Islamischer Staat“ mitgegründet hätten.

          Der Sender RT, den mittlerweile 700 Millionen Menschen auf der Welt sehen können, ist in den Vereinigten Staaten im Kabelnetz frei zu empfangen; er bietet prominente Moderatoren wie den langjährigen CNN-Mann Larry King und Gäste wie Julian Assange von der Enthüllungsplattform Wikileaks, der zeitweise eine eigene RT-Talkshow hatte.

          Ein „großes Fragezeichen“

          Wikileaks veröffentlicht täglich neue, nach amerikanischen Angaben von russischen Hackern ergatterte Daten über Clintons Wahlkampagne, aus denen sich wiederum Trump bedient und zwar offenbar über den Umweg über die Kremlmedien: Kürzlich übernahm der Kandidat einen „Fehler“ der Agentur Sputnik, die Worte eines Journalisten, laut dem der Angriff auf die amerikanische Vertretung im libyschen Benghasi 2012 hätte verhindert werden können, einem Clinton-Berater zugeschrieben hatte. Zwar hat Trump Russland aufgerufen, nach „30.000 verschwundenen E-Mails“ von Clinton zu suchen, doch dann in Zweifel gezogen, dass russische Hacker Clinton schaden wollten. „Immer beschuldigen sie Russland“, sagte Trump – und äußerte sich damit ähnlich wie nun Putin in Sotschi.

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