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Russlands Krieg : Moskau zieht Botschafter aus Estland und Lettland ab

Die estnische Botschaft in Moskau am Montag. Bild: dpa

Die diplomatischen Beziehungen Russlands zu allen drei baltischen Staaten werden künftig nur noch von Geschäftsträgern wahrgenommen. Der Kreml kritisiert Berlin in der Panzer-Frage.

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          Russland wird künftig auch in Estland und Lettland nicht mehr mit einem Botschafter vertreten sein. Die jüngste Volte in Moskaus Ringen mit den baltischen Staaten begann am Montag damit, dass das Außenministerium den estnischen Botschafter einbestellte, ihm aufgab, bis 7. Februar das Land zu verlassen und die diplomatischen Beziehungen zu dem Nachbarland herabstufte. Das Außenministerium begründete dies mit „totaler Russophobie“ seitens der estnischen Führung im Allgemeinen und einer „radikalen Kürzung“ beim Personal der russischen Botschaft in Tallinn im Besonderen, die ein „feindlicher Schritt“ sei.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Künftig sollen demnach in Moskau und Tallin lediglich Chargés d’affaires ad interim die wechselseitige Vertretung übernehmen. Solche interimsmäßigen Geschäftsträger sind Diplomaten, die lediglich vorübergehend mit entsprechenden Funktionen betraut sind. Auch der russische Botschafter hat Tallinn auf dessen Ersuchen hin bis zum 7. Februar zu verlassen. Litauen hatte bereits im vergangenen April die diplomatische Vertretung in den Beziehungen zu Russland auf Geschäftsträgerebene gesenkt, als Reaktion auf die Massenmorde unter russischer Besatzung in Butscha.

          Am Montag stufte Lettland ebenfalls die Beziehungen zu Russland herab und begründete dies mit „Solidarität mit Estland“. Dessen Außenminister, Urmas Reinsalu, sagte während eines Treffens der EU-Außenminister in Brüssel, Tallinn werde das „Prinzip der Parität“ bei der Zahl der Diplomaten hochhalten, und appellierte an die EU-Partner, dies ebenfalls zu tun. Mit diesem Prinzip begründete Estland, in dessen Botschaft in Moskau bisher noch sechs Diplomaten arbeiteten, die jüngste Ausweisung von 13 russischen Diplomaten und acht „technischen Mitarbeitern“.

          Estland ist einer der entschiedensten Unterstützer der Ukraine. Erst vorige Woche hatte Tallinn ein neues Hilfspaket für die Ukraine bekannt gemacht, zu dem unter anderem Haubitzen, Munition und Granatwerfer zählen. In Estland spielt dabei die eigene Erfahrung der sowjetischen Besatzung eine wichtige Rolle. „Die Esten wissen aus ihrer eigenen schmerzvollen Geschichte, was geschieht, wenn das Böse triumphiert und ein großes Land kleinere Länder schluckt“, sagte Ministerpräsidentin Kaja Kallas anlässlich der Vorstellung des neuen Hilfspakets. Indem man der Ukraine helfe, ihre Unabhängigkeit zu verteidigen, verteidige man das Recht auf Freiheit und Demokratie aller Länder, auch Estlands selbst, so Kallas.

          Unterdessen kritisierte der Kreml, dass es Deutschland jedenfalls nach den Worten von Außenministerin Annalena Baerbock Drittländern wie Polen freistellt, der Ukraine Leopard-Panzer zu liefern. „Alle Länder, die sich auf die eine oder andere Weise daran beteiligen, die Ukraine mit Waffen aufzupumpen und ihr technologisches Niveau zu erhöhen, tragen dafür Verantwortung“, sagte Dmitrij Peskow, der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, am Montag. Den Preis für „diese ganze Pseudounterstützung“ zahle „das ukrainische Volk“.

          Peskow sagte, Erklärungen wie die Warschaus, dass Berlin in der Frage der Panzerlieferungen die internationale Isolation drohe, zeigten, dass „die Nervosität zwischen den Mitgliedern der Allianz“ zur Unterstützung der Ukraine ständig wachse. Russlands Staatsfernsehen hatte noch am Sonntagabend mit Genugtuung über den Verlauf des Treffens von Ramstein berichtet. Die „Nachrichten der Woche“, eine Wochenschau mit dem Medienfunktionär Dmitrij Kisseljow, stellte das deutsche Zögern bei der Lieferung von Leopard-Panzern in den Vordergrund und behauptete neuerlich, die Vereinigten Staaten zwängen die Ukraine dazu, weiterzukämpfen, und Deutschland, die Panzer zu liefern.

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