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Demonstrationen für Nawalnyj : „Putin ist ein Dieb!“

Ein junger Mann in Moskau wird bei Protesten gegen die Inhaftierung des Kremlkritikers Nawalnyj am Samstag festgenommen.
Ein junger Mann in Moskau wird bei Protesten gegen die Inhaftierung des Kremlkritikers Nawalnyj am Samstag festgenommen. : Bild: dpa

Der von Nawalnyjs Team am Mittwoch, zwei Tage nach dessen Verhaftung, auf Youtube veröffentlichte zweistündige Film ist bis Samstag 69 Millionen mal aufgerufen worden. Darin wird detailliert und mit Belegen beschrieben, wie in den vergangenen zehn Jahren für mehr als eine Milliarde Euro ein Prunkpalast für Putin erbaut wurde – mit Geld von Unternehmern und Staatskonzernen. Auf den Film spielen einige Demonstranten an, die billige weiße Klobürsten dabei haben: Im Film zu „Putins Palast“ ist zu erfahren, dass in einem zu dem Anwesen gehörenden Weingut Klobürsten aus Italien zu 700 Euro das Stück angeschafft wurden.

„Putin ist ein Dieb!“, schreien viele

Eine 22 Jahre alte Studentin erzählt, sie sei nicht nur wegen Nawalnyj gekommen, sondern aus dem Bedürfnis heraus, etwas für die Gerechtigkeit in ihrem Land zu tun. Bald klingen erste Sprechchöre über den Platz, „Freiheit!“ oder „Freilassen!“ Dagegen läuft die Polizei-Durchsage: „Wir tun alles, um Ihre Sicherheit zu gewährleisten, verlassen Sie nach Möglichkeit die illegale Veranstaltung.“

Ein Mann Mitte 30 sagt einem der vielen Reporter, leider hätten zu viele Angst: Arrest, ein Strafverfahren, „sie können machen, was sie wollen“. An die Deutschen und Bundeskanzlerin Angela Merkel habe er eine Botschaft, sagt er: Mit dem Geld für das russische Gas bezahle Putin die Niederschlagung solcher Demonstrationen. Je mehr Leute es werden, desto gewagter werden die Sprechchöre. So wird „Belarus!“ gerufen, aus Solidarität mit der Protestbewegung im Nachbarland. „Putin ist ein Dieb!“, schreien viele, der Präsident sei „ein Mörder“, manche. Es geht aber seitens der Demonstranten zivil zu. Man hält sich sogar an die Grünphase der Ampel.

Doch es bleibt nicht friedlich. Immer härter wird im Laufe des Nachmittags das Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten in Moskau. Gewaltsam werden sie vom Puschkin-Platz gedrängt. Im Zentrum Moskaus formieren sich verschiedene Demonstrationszüge. Östlich des Puschkin-Platzes werden Demonstranten verprügelt und festgenommen. Andere ziehen in Richtung der „Matrosenruhe“, des Untersuchungsgefängnisses, in dem Nawalnyj inhaftiert ist.

Vereinzelt beginnen Demonstranten, mit Schneebällen auf die Polizisten zu werfen. Ein Auto mit Staatskennzeichen und Blaulicht wird beschädigt, der Fahrer kommt laut Medienberichten mit einer Augenverletzung ins Krankenhaus. In den Staatsmedien, die weder über die Zahl der Demonstranten noch über deren Ziele berichten, ist davon die Rede, dass es durch nicht erlaubte Versammlungen zu Verkehrsbehinderungen im Zentrum der Hauptstadt gekommen sei. Außerdem seien zwischen 39 und 42 Polizisten verletzt worden. Die Ermittlungsbehörde prüfen schon Gewalt gegen Sicherheitskräfte. In vergleichbaren Fällen werden in Russland oft Verfahren um „Massenunruhen“ eingeleitet.

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