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Nach Aussage zum Ukrainekrieg : Russland wirft Papst Perversion vor

Verwandte ukrainischer Soldaten halten Bilder von Vermissten in den Händen während Papst Franziskus’ Generalaudienz am 23. November 2022. Bild: AFP

In einem Interview sprach Papst Franziskus über die Grausamkeit der russischen Truppen in der Ukraine, vor allem von Tschetschenen und Burjaten. Moskau ist empört.

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          Russland hat empört auf die jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus über den Krieg in der Ukraine reagiert. Die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau sagte: „Das ist schon nicht mehr Russophobie, das ist eine Perversion.“ Anlass war ein am Montag veröffentlichtes Interview des Papstes mit der amerikanischen Jesuiten-Zeitschrift „America Magazine“.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.
          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Darin hatte er gesagt, er habe „umfangreiche Informationen über die Grausamkeit der Truppen, die einmarschiert sind“. Generell seien „die grausamsten unter ihnen vielleicht jene, die zwar Russen sind, aber nicht in der russischen Tradition stehen, etwa Tschetschenen und Burjaten“. Franziskus hatte es bislang vermieden, Russland deutlich als Aggressor zu benennen. Dafür war er deutlich kritisiert worden. Nun sagte der Papst: „Aber es ist klar, dass es der russische Staat ist, der die Invasion durchführt.“

          Holodomor historischer Vorläufer

          Franziskus sprach in dem Interview zudem die Hungersnot in der Ukraine zu Beginn der Dreißigerjahre an. „Ich sollte daran erinnern, dass in diesen Tagen der Jahrestag des Holdomors begangen wird, Stalins Genozid an den Ukrainern.“ Es sei „angemessen, daran als einen historischen Vorläufer des Konflikts zu erinnern“.

          Der russische Botschafter beim Heiligen Stuhl teilte mit, er habe gegen die Aussagen des Papstes protestiert und hervorgehoben: „Nichts kann die Geschlossenheit und Einigkeit des multiethnischen russländischen Volks erschüttern.“ Die Sprecherin des russischen Außenministeriums sagte, in den Neunzigerjahren und zu Beginn dieses Jahrhunderts sei Russen vorgeworfen worden, die Bewohner des Kaukasus zu quälen. Jetzt heiße es, „dass die Völker des Kaukasus Russen quälen“. Sie legte dabei die Darstellung des Kremls zugrunde, dass Russen und Ukrainer ein Volk seien.

          Die von Papst Franziskus erwähnten Tschetschenen sind im Kaukasus beheimatet, die Burjaten dagegen in Sibirien. Allerdings werden im Krieg in der Ukraine, wie jüngst eine burjatische Aktivistin im Gespräch mit der F.A.Z. beklagte, verschiedene Volksgruppen „mit minimal östlichem Aussehen“ undifferenziert als Burjaten bezeichnet.

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