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Skripal-Affäre : May: Dulden keine Bedrohung britischer Bürger

  • Aktualisiert am

Theresa May bleibt bei ihrer Linie Bild: Reuters

Die britische Premierministerin Theresa May bleibt bei ihrer Linie Moskau gegenüber. Ein russischer Diplomat bringt derweil einen anderen Drahtzieher des Anschlags auf den ehemaligen Doppelagenten Skripal ins Spiel: den Westen.

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          London wird nach den Worten von Premierministerin Theresa May niemals Bedrohungen britischer Bürger durch Russland dulden. Das sagte die Premierministerin am Samstag bei einem Treffen ihrer Konservativen Partei in London. Russlands Handeln stehe völlig im Gegensatz zu den liberalen und demokratischen Werten ihres Landes.

          Moskau hatte kurz zuvor die Ausweisung von 23 britischen Diplomaten aus Russland verkündet. Dies war eine Reaktion auf eine entsprechende Strafmaßnahme, die London am vergangenen Mittwoch gegen russische Diplomaten in Großbritannien verhängt hatte.

          London wirft dem russischen Staat vor, Drahtzieher des Attentats mit einem Nervengift auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julija zu sein. Beide waren vor zwei Wochen bewusstlos auf einer Parkbank im englischen Salisbury entdeckt worden. Skripal war im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Großbritannien gekommen.

          Ein russischer Diplomat hatte vorher dem Westen eine Beteiligung am Giftanschlag auf Skripal vorgeworfen. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ könne angenommen werden, dass das im südenglischen Salisbury verwendete Gift aus einem westlichen Labor stamme, sagte Alexander Schulgin, Russlands Vertreter bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). „Um nicht um den heißen Brei herumzureden, nenne ich diese Länder direkt. Das sind vor allem Großbritannien selbst und die USA“, sagte Schulgin der Agentur Interfax am Samstag.

          Der Diplomat behauptete, dass westliche Geheimdienste in den 1990er Jahren russische Chemiker angeworben hätten. Diese hätten Kenntnisse über Arbeiten aus der Sowjetzeit gehabt. Westliche Staaten, die er nicht näher nannte, hätten mit diesen Informationen aktiv gearbeitet. Diese Angaben waren zunächst nicht überprüfbar.

          Die britischen Behörden gehen davon aus, dass für das Attentat auf Skripal das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet wurde. London vermutet daher, dass Moskau in den Fall verwickelt ist. Russland bestreitet dies und argumentiert, dass sämtliche Chemiewaffenbestände zwischen 2002 und 2017 vernichtet worden seien.

          Polizei warnt Exil-Russen

          In dem Streit haben beide Seiten die Ausweisung von jeweils 23 Diplomaten angeordnet. Die Betroffenen hätten eine Woche Zeit das Land zu verlassen, teilte das russiche Außenministerium am Samstag mit. Zugleich werde das britische Kulturinstitut in Russland geschlossen. Russland reagiert damit auf die Ausweisung 23 seiner Diplomaten aus Großbritannien. Hintergrund ist der Streit über die Vergiftung des russischen ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal im englischen Salisbury.  Russland hatte ein britisches Ultimatum zur Aufklärung des Attentats verstreichen lassen. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

          Die Lage ist angespannt: Nach dem Mord am russischen Kreml-Kritiker und Geschäftsmann Nikolai Gluschkow hat die Polizei in Großbritannien offenbar eine Reihe von Exil-Russen kontaktiert und zur Vorsicht geraten. Damit hätten die Sicherheitsbehörden ihre bisherige Einschätzung vom geringen Risiko für Exil-Russen im Land geändert, berichtete der Sender BBC in der Nacht zum Samstag. Allerdings gebe es weiterhin keinen Zusammenhang mit dem Tod Gluschkows und der Giftattacke gegen Skripal und dessen Tochter Julija.

          London hat inzwischen den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Drahtzieher des Attentats auf Skripal bezichtigt. Die Entscheidung sei „höchstwahrscheinlich“ von Putin selbst getroffen worden, sagte der britische Außenminister Boris Johnson am Freitag. Der Kreml wies die Vorwürfe umgehend zurück.

          Bei den Ermittlungen zum Tod Gluschkows fanden Rechtsmediziner am seinem Hals Gewaltspuren, wie Scotland Yard in London mitteilte. Der 68 Jahre alte Russe war am vergangenen Montag tot in seinem Haus in der Hauptstadt entdeckt worden. Gluschkow hatte für die russischen Großkonzerne Avtovaz und Aeroflot gearbeitet. 2004 war er in seiner Heimat zu drei Jahren und drei Monaten Haft nach Vorwürfen von Betrug und Geldwäsche verurteilt worden. 2010 erhielt er in Großbritannien Asyl. Russland habe bis zuletzt versucht, von ihm rund 113 Milliarden Euro Aeroflot-Geld zurückzubekommen, hieß es bei BBC.

          Im Fall Gluschkow sieht die Polizei derzeit keine Verbindung zu dem Attentat auf Skripal und dessen Tochter. Die beiden waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich in einem kritischen Zustand. Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet worden. Russland deklarierte bei der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) nie Bestände dieses Nervengiftes.

          Russland will im Fall Skripal ermitteln

          In seltener Geschlossenheit stellten sich Deutschland, Frankreich und die Vereinigten Staaten hinter Großbritannien. Am Freitag sicherten laut Downing Street Italien und Australien in Telefongesprächen ebenfalls ihre Rückendeckung zu. Auch die Nato hat nach eigenen Angaben keine Zweifel daran, dass Moskau für den Anschlag verantwortlich ist.

          Die russische Ermittlungsbehörde in Moskau leitete unterdessen Ermittlungen wegen versuchten Mordes an Julija Skripal ein. Die Behörde sei zur Zusammenarbeit mit der britischen Polizei bereit. Julijas Vater Sergej wurde nicht erwähnt.

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