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Russische Offensive in Idlib : Putin ignoriert Forderung von Merkel und Macron

15 türkische Soldaten getötet

Das russische Verteidigungsministerium verwies am Freitag auf kilometerlange türkische Militärkolonnen, die man beobachte. Russland wirft der Türkei vor, die Aufständischen in Idlib zu unterstützen. Letztere hätten am Donnerstag mit türkischer Artillerie-Unterstützung syrische Kräfte angegriffen, teilte das Ministerium mit. Dank russischer Su-24-Kampfflugzeuge sei der Angriff abgewehrt worden. Vorgeworfen wird Ankara auch, den Aufständischen amerikanische Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ zu übergeben, mit denen in diesem Monat schon zwei syrische Kampfhubschrauber in Idlib abgeschossen worden seien.

Das libanesische Newsportal Al Masdar berichtete, am Donnerstag hätten Aufständische mit dem System auch ein russisches Su-24-Kampfflugzeug beschossen, indes erfolglos. Daher soll die russische Luftwaffe nun höher als 5000 Meter und damit außer Reichweite der „Stinger“ fliegen. Nach türkischen Angaben wurden am Donnerstag – vermutlich durch das russisches Kampfflugzeug – zwei türkische Soldaten getötet und fünf weitere verletzt. Damit sind bisher nach offiziellen Angaben 15 türkische Soldaten in den vergangenen drei Wochen in der Provinz getötet worden.

Gespräche über türkisch-russische Patrouillen

Der türkische Verteidigungsminister Hakar sagte, sein Land beabsichtige nicht, mit Russland in Syrien „auf Konfrontation zu gehen“. Es sei aber entschlossen, notfalls auch unter Einsatz von Gewalt eine Waffenruhe zu erzwingen. Sollte es keine Einigung auf eine Waffenruhe geben, sei eine türkische Gegenoffensive nur noch eine Frage der Zeit, hatte der türkische Präsident Tayyip Erdogan am Mittwoch erklärt. Die Gespräche zwischen der Türkei und Russland über eine Waffenruhe in Idlib gehen zwar weiter, haben jedoch noch keine Ergebnisse gebracht. In Ankara hieß es, es werde die Möglichkeit gemeinsamer Patrouillen diskutiert.

Beide Länder würden ihre Gespräche in den kommenden Tagen intensivieren, sagte Außenminister Mevlut Cavusoglu dem Sender TRT. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow sagte mit Blick auf ein mögliches Treffen der Präsidenten Russlands, der Türkei und Irans Anfang März in Teheran gesagt, die Terminpläne der drei seien noch nicht abgestimmt. Putin und Erdogan wollten am Freitagnachmittag telefonieren. Mit einem Treffen Putins mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verbinden sich Hoffnungen auf seine kurzzeitige Entspannung in Idlib. Doch die Eskalation der vergangenen Tage spricht  derzeit eher gegen eine solche Begegnung.

Russische Fachleute halten eine dauerhafte Trübung des Verhältnisses zur Türkei über Idlib weiterhin für unwahrscheinlich, weil weder Moskau, noch Ankara daran interessiert sei; zugleich erwartet man, dass Erdogan nachgibt. Allerdings hatte Moskau schon vor dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die türkische Luftwaffe im November 2015 scharfe Warnungen aus Ankara ignoriert, nicht weiter türkische Verbündete in Nordwestsyrien zu bombardieren. Diese russischen Angriffe sollen damals, neben einer kurzen Luftraumverletzung durch das russische Flugzeug, Grund für den Abschuss gewesen sein.

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