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Iranisches Atomprogramm : Russland verkündet Einigung, Gespräche gehen weiter

  • Aktualisiert am

Russlands Außenminister Lawrow bei den Verhandlungen in Lausanne. Er verkündet in den russischen Medien eine Einigung im Atomstreit mit Iran. Bild: AFP

Die Atomgespräche mit dem Iran gehen auch nach dem Ablauf der selbstgesetzten Frist weiter. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht eine Einigung in „allen Schlüsselfragen“. Vertreter westliche Delegationen äußern sich zurückhaltender.

          Trotz Ablaufs einer Frist werden die Verhandlungen über das umstrittene iranische Atomprogramm in Lausanne fortgesetzt. „Wir haben einiges erreicht. Ich hoffe, wir können die Arbeit am Mittwoch zu Ende führen“, sagte Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nach den jüngsten Gesprächen, die bis tief in die Nacht gingen. Ursprünglich hatten die Vertreter der UN-Vetomächte, Deutschlands und des Irans bis Mitternacht eine Grundsatzeinigung in dem zwölf Jahre andauernden Streit erreichen wollen.

          Ein endgültiger Durchbruch wurde bislang nicht erzielt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte zwar, alle Unstimmigkeiten seien grundsätzlich ausgeräumt. Die grundsätzlichen Vereinbarungen zur Lösung des Konflikts sollten in den nächsten Stunden oder im Laufe des Tages schriftlich festgehalten werden, sagte Lawrow dem russischen Staatsfernsehen am Mittwoch. „Bis Ende Juni sollen Experten die Einzelheiten ausarbeiten. Der Teufel liegt - wie bekannt - im Detail“, sagte er.

          Nach Darstellung von Lawrow beinhaltet die Einigung die seit Jahren von Russland vertretene Position, wonach der Iran Anspruch auf eine zivile Nutzung der Atomenergie hat. Dazu gehöre auch die Urananreicherung, eine „verlässliche Kontrolle“ des Programms durch Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sowie eine Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran, sagte der Minister.

          Mitglieder westlicher Delegationen bestätigten das nicht. „Alle Fragen sind noch nicht geklärt“, sagte ein amerikanischer Vertreter. Auch Sarif hielt sich bedeckter. „Für die meisten Punkte wurden klare Lösungen gefunden“, sagte Irans Außenminister. Der amerikanische Präsident, Barack Obama, beriet sich nach Angaben des Weißen Hauses mittels einer sicheren Telefonleitung mit seinem Sicherheitsteam.

          Iranische Uran-Zentrifugen sowie dort angereichertes Uran

          Im Kern des Konflikts geht es um die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass der Iran nicht unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atombomben entwickelt. Der Westen fordert verlässliche Garantien und Kontrollen. Teheran will die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen. Eine Einigung würde den Iran aus der internationalen Isolation befreien. Ein umfassendes Abkommen in dem Konflikt ist bis Anfang Juli angepeilt.

          Strittig war zuletzt vor allem, wie der Iran nach einer mehrjährigen Phase, in der höherwertige Atomforschung untersagt sei, weiter verfahren dürfe. Teheran will nach Ablauf einer solchen Frist sein Atomprogramm wieder uneingeschränkt betreiben dürfen. Der Westen fordert auch danach Restriktionen. Zudem ging es um den Zeitrahmen für die Aufhebung von UN-Sanktionen, die den Transfer von Atomtechnologie in den Iran verbieten, und die Frage, wie Sanktionen schnell wieder greifen könnten, falls der Iran gegen Vereinbarungen verstößt.

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