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Russland verbietet Einfuhr von West-Lebensmitteln : Um jeden Preis

Wladimir Putin Bild: dpa

Russland verhängt ein Einfuhrverbot für West-Lebensmittel. Putin riskiert, dass es vielen Russen schlechter geht. Die Alten kennen es ja ohnehin noch aus der Sowjetunion: Zuhause schlecht ernährt, in der Welt unbeliebt, aber immerhin gefürchtet.

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          Wladimir Putins Antwort auf die westlichen Sanktionen in Russlands unerklärtem Krieg gegen die Ukraine zeugt einerseits von Entschlossenheit, im Ringen mit den Vereinigten Staaten und der EU nicht nachzugeben. Andererseits zeugt sie von Rücksichtslosigkeit. Dieses Mal besonders gegenüber den Bürgern seines eigenen Landes.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Zwar lässt sein Dekret über „Wirtschaftliche Sondermaßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Russischen Föderation“ bewusst offen, welche landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel aus Ländern, die Sanktionen gegen Russland verhängt haben, nun genau nicht mehr eingeführt werden sollen. Aber durch solche Maßnahmen steigen die Lebensmittelpreise zusätzlich an.

          Im Dezember 2012 sagte Putin, Russland solle in „vier bis fünf Jahren“ seine „Unabhängigkeit in Bezug auf alle wichtigsten Nahrungsmittel sichern“. Doch von einer Autarkie, von der schon Stalin träumte, ist das Land noch immer weit entfernt. Und ob Produkte aus Ländern, die keine Sanktionen gegen Russland verhängt haben, wirklich genauso gut und günstig sind, ist fraglich.

          Putins Gefolgsleute jubeln

          Bei Äpfeln wird nach dem Verbot der Einfuhr aus Polen mit einem Preisanstieg von 40 Prozent gerechnet. Etliche Gefolgsleute Putins einschließlich der orthodoxen Kirche bejubeln die Sanktionen allgemein als Chance, endlich allerlei im Land selbst zu entwickeln – bis hin zu militärischer Hochtechnologie. Das war schon vor den Sanktionen gegen den russischen Finanzsektor unrealistisch.

          Die neue Moskauer Antwortmaßnahme hat nun immerhin den Charme, dass sie ehrlich auf die Sanktionen Bezug nimmt und nicht, wie etwa bei ukrainischer Milch und Säften oder eben den Äpfeln aus Polen, hygienische Gründe vorgeschoben werden. Das war es dann auch schon. Und bei steigenden Preisen hört es nicht auf: Gerade wurde ein stellvertretender Minister für wirtschaftliche Entwicklung gefeuert, weil er auf Facebook erklärt hatte, er schäme sich dafür, dass die Renten nicht wie versprochen steigen sollen.

          Offenbar geht Putin davon aus, dass eine Mehrheit der Russen weiter hinter ihm steht, auch wenn es ihnen schlechter geht. Die Alten kennen es ja ohnehin noch aus der Sowjetunion: Zuhause schlecht ernährt, in der Welt unbeliebt, aber immerhin gefürchtet. Wohin Putin Russland führt, ist unklar. Aber immer deutlicher wird, dass auch die Bürger seines eigenen Landes seine Opfer werden.

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