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Russland unter Putin : Das ewige Enigma

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Uneingeschränkter Herrscher in Russland: Wladimir Putin Bild: AFP

Mit viel Fleiß beschreibt Angela Stent Russland unter Wladimir Putin. Doch am Ende bleibt kaum mehr als Ratlosigkeit.

          4 Min.

          Geht es um Russland, wird die Debatte in Deutschland häufig irrational. Logische Argumente werden mit Gefühligkeit vermischt, Fakten mit Hinweisen auf die tragische deutsch-russische Historie weichgewaschen, offensichtliche Verletzungen des Völkerrechts mit Geschichtsklitterung beantwortet. Nur so ist es zu erklären, dass dieses Russland unter Wladimir Putin so oft davonkommt, dass es in großen Teilen der deutschen Bevölkerung über scheinbar grenzenlosen Kredit verfügt und an Moskau eine andere Messlatte angelegt wird als zum Beispiel an Washington.

          Die Unterdrückung der Medien, die Beschneidung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Behinderung von Nichtregierungsorganisationen, die unhaltbaren Zustände in den Gefängnissen, die Verfolgung von Homosexuellen: Die Liste der Menschenrechtsverletzungen in Russland ließe sich noch fortsetzen. Globalpolitisch ist die Aufzählung aber ebenfalls beeindruckend. Sie reicht von der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim über die Unterstützung der Separatisten in der Ost-Ukraine, die anhaltenden Versuche, die EU zu spalten bis zum Schulterschluss mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad. Wer all das nur mit der schweren Geschichte Russlands oder mit dem Verlust des Supermachtstatus erklären und entschuldigen will, der macht es sich nicht nur ziemlich leicht  – er liegt schlichtweg falsch. Nichts von alldem muss geschehen, wenn es nicht von oben gewollt ist.

          Wenn es nicht von Putins Russland gewollt wäre. „Putins Russland“: So lautet auch der Titel des Buches von Angela Stent, Direktorin des Center for Eurasian, Russian and East European Studies und Professorin an der Georgetown University in Washington. Denn Russland müsste nicht so sein, müsste nicht so handeln, wie es dies tut. Es ist vielmehr die Politik des Präsidenten, die das Land eben dorthin geführt hat, wo wir es seit Jahren erleben. Für eine historische Sekunde immerhin war in den 1990er Jahren zu sehen, dass es auch anders gehen könnte. Michail Gorbatschow und vor allem der frühe Boris Jelzin hatten bewiesen, dass Russland nicht zwangsläufig gefangen ist im Kreislauf aus Macht, Autoritarismus, und Unfreiheit. Die Chancen der 90er Jahre indes wurden vergeben. Die Analyse der Ursachen ist jedoch entscheidend, um die Entwicklung Russlands unter Putin zu verstehen. Denn Putin, der das Land als Ministerpräsident und Präsident seit 20 Jahren regiert, ist nicht vom Himmel gefallen. Es gibt Gründe für den seinerzeit so unerwarteten Aufstieg dieses Mannes. Davon allerdings steht leider viel zu wenig im Buch von Angela Stent.

          Dagegen referiert Stent lückenlos die Ereignisse, die das Land seit der Machtübernahme durch Wladimir Putin geprägt und gelenkt haben. Die aus russischer Sicht zahlreichen Enttäuschungen mit dem Westen, Barack Obamas törichtes Wort von Russland als „Regionalmacht“, die Schwierigkeiten Moskaus, das Konzept der Europäischen Union zu verstehen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Angela Stent widmet sich ähnlich akribisch den geopolitischen Räumen, denen Russlands Aufmerksamkeit gehört: dem Verhältnis zu Deutschland, China, Japan, dem Mittleren Osten und den Vereinigten Staaten sowie den einstigen Sowjetrepubliken, die heute unabhängig sind.

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