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Syriens Zukunft : Nach dem Kuhhandel von Aleppo

Assad bei einem Treffen mit Abgeordneten des Europaparlaments und russischen Föderationsrats. Bild: dpa

Die von Russland und der Türkei vermittelte Feuerpause für Syrien zeigt, wie sehr sich die Gewichte in der Region verschoben haben. Das Schicksal des vom Bürgerkrieg zerstörten Landes liegt in den Händen mehrerer internationaler Akteure. Amerika steht jedoch nur am Rand.

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          Es sei inzwischen sehr schwierig, die richtigen Formate für Syrien-Verhandlungen zu finden, sagte unlängst ein mit dem Land befasster Diplomat. Der Krieg sei schließlich schon längst nicht mehr nur einer zwischen Baschar al Assad und seinen Gegnern, sondern ein komplizierter Konflikt mit vielen ausländischen Akteuren. Die Äußerung zielte auf die fruchtlosen Bemühungen des UN-Sondergesandten Staffan de Mistura, einen Weg zu finden, das Blutvergießen zu beenden. Das Geflecht aus verschiedenen Konflikten und Machtkämpfen, die sich in Syrien bündeln, ist im Verlauf des Krieges immer dichter geworden.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der russische Machthaber Wladimir Putin betreibt hier seine aggressive Großmachtpolitik, Iran und Saudi-Arabien tragen ihren Machtkampf um die Vormachtstellung in der Region aus. Das Regime in Teheran nutzt dafür schiitische Milizen aus dem Irak, Afghanistan, Pakistan und vor allem die libanesische Hizbullah. Saudi-Arabien und andere arabische Golfstaaten fördern islamistische Rebellenbrigaden. Die Türkei bekämpft den syrischen Präsidenten Baschar al Assad und kurdische Bestrebungen, entlang der Grenze einen eigenen Quasistaat zu errichten. Zugleich tobt ein Krieg gegen die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ (IS).

          Jetzt haben mit Moskau und Ankara zwei maßgebliche Akteure einen eigenen Vorstoß unternommen, das Morden zu stoppen und einen politischen Prozess in Gang zu bringen. Russland und die Türkei hatten zuletzt den Abzug der Rebellen aus der Stadt Aleppo vermittelt. Sie wollen offenbar auf dieser Einigung aufbauen und noch im Januar Friedensgespräche in Kasachstan abhalten. Die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten, welche die Initiative guthießen, bekamen ihre Machtlosigkeit noch einmal vor Augen geführt.

          Bevölkerung hofft auf Atempause

          Die Bevölkerung hofft zumindest auf eine Atempause. Am Freitag ging zunächst die Gewalt zurück, obgleich die Waffen auch dieses Mal nicht ganz schwiegen. Schon in den ersten Stunden wurden Kämpfe gemeldet. Recep Tayyip Erdogan sprach von einer „historischen Gelegenheit“, während Wladimir Putin die Waffenruhe, die in der Nacht zum Freitag in Kraft trat, selbst als „fragil“ bezeichnete. Bislang hielten solche Feuerpausen nur so lange, bis eine der beteiligten Kriegsparteien – zumeist war es das Regime in Damaskus – kein Interesse mehr daran hatte. Es bleibt fraglich, ob die russisch-türkische Entschlossenheit ausreicht, die vielen nach wie vor ungelösten Konflikte über längere Zeit auszublenden.

          Moskau hat sein wohl wichtigstes Kriegsziel erreicht: Der Sturz des syrischen Präsidenten ist verhindert worden. Die Rückeroberung Aleppos war ein wichtiger militärischer Sieg. Dass sie ohne maßgebliche Gegenwehr seitens der ausländischen Unterstützer der Rebellen erfolgen konnte, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass man sich damit abgefunden hat, dass Assad bis auf weiteres Staatsoberhaupt in Syrien bleibt. Auch der Ausbau der russischen Militärpräsenz in Syrien dürfte kaum mehr abzuwenden sein. Für Putin, der sich militärisch nicht zu tief in den Krieg verstricken lassen will, scheint die Zeit jetzt günstig zu sein, einen Frieden nach seinen Vorstellungen durchzusetzen. Und die jüngste Annäherung an den starken Mann in der Türkei, Präsident Recep Tayyip Erdogan, hat ihm neue Möglichkeiten eröffnet.

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