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Russland und die Nato : So lassen sich Manöver zählen

Fallschirmspringer landen im Rahmen der Übung „Saber Junction 16“ am 12. April 2016 nahe Burglengenfeld in Bayern. Bild: Picture-Alliance

Militärübungen verraten eine Menge über die Möglichkeit von Staaten, anderen ihren Willen aufzuzwingen. FAZ.NET hat über zweieinhalb Jahre die Militärübungen Russlands und der Nato analysiert. Zur Methode.

          Wie stark bedroht Russland die Nato-Ostflanke? Antworten auf diese Frage fußen häufig auf abstrakten Vergleichen. Wehretats werden verglichen, ebenso Soldaten, Panzer und Raketenbestände. Auf Militärübungen richtet sich der Blick meist nur, wenn Zehntausende russische Soldaten an der Grenze zur Ukraine oder den baltischen Staaten aufmarschieren. So wie offenbar im kommenden September wieder. Dabei verraten Militärübungen eine Menge über die Kampfkraft von Streitkräften und damit über die Möglichkeiten eines Staates, anderen seinen politischen Willen aufzuzwingen. Sie sind wie Fingerabdrücke.

          Als vor einigen Monaten in dieser Redaktion die Idee reifte, die Übungstätigkeit Russlands und der Nato miteinander zu vergleichen, ging es nicht darum, die zahlenmäßige Unterlegenheit des Bündnisses an seiner Ostflanke gegenüber Russland zu beweisen. Allein in seinem westlichen Militärbezirk hat Moskau Zehntausende Soldaten stationiert. Das sind viel mehr Truppen, als die drei baltischen Nato-Mitglieder Estland, Lettland und Litauen aufbieten können. Sie verfügen noch nicht einmal über eigene Kampfpanzer oder Kampfflugzeuge. Wie auch Polen fühlen sie sich seit der Annexion der Krim und des Krieges in der Ostukraine, 2014, von ihrem östlichen Nachbarn massiv bedroht. Die Nato hat inzwischen eine Reihe vom Maßnahmen beschlossen, um die Mitgliedsstaaten an der Nato-Ostflanke rückzuversichern, etwa durch die Präsenz von insgesamt vier multinationalen Kampfverbänden, so genannter „battle groups“ mit je rund 1000 Soldaten, oder eine schnell verlegbare Speerspitze in Brigadestärke. Die Amerikaner verstärken ihre europäische Präsenz wieder, und auch die Übungstätigkeit wurde gesteigert.

          Worauf diese Redaktion jedoch eine Antwort finden wollte, war eine andere, wichtige Frage: Wie intensiv übt das Bündnis, um sich auf konventionelle militärische Auseinandersetzungen vorzubereiten? Oder anders gefragt: Wie groß ist das „exercise gap“, die Übungslücke, zwischen der Nato und Russland?

          Eine befriedigende Antwort auf diese Frage zu finden stellte sich als echte Pionierarbeit heraus. Zwar wird über große Übungen beider Seiten regelmäßig berichtet. Auch haben Studien diverser Forschungsinstitute in der Vergangenheit Manöver analysiert und verglichen. Doch beschränkt sich ihre Arbeit in der Regel auf Großübungen. Detaillierte Übersichten der Übungstätigkeiten sind öffentlich nicht verfügbar, so es sie überhaupt gibt. Die Daten müssen wie ein Mosaik aus hunderten Einzelteilen zusammengetragen werden.

          In den vergangenen Monaten hat die F.A.Z. eine ganze Reihe öffentlicher Quellen ausgewertet. Auf russischer Seite wurden sämtlichen englischsprachigen Pressemitteilungen des russischen Verteidigungsministeriums untersucht, die seit Beginn des Jahres 2015 über die Tätigkeiten der eigenen Streitkräfte informieren. Es sind ein paar Tausend. Die Angaben sind umfangreich und in vielen Fällen detailliert. Dennoch geben sie zwangsläufig das Bild ab, welches Moskau vermitteln will. Und dieses Bild kann durch Weglassungen, Untertreibungen oder auch Übertreibungen verzerrt werden.

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