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Russland und die Nato : So lassen sich Manöver zählen

Der Zeitraum wurde so gewählt, dass kurzfristige Schwankungen das Ergebnis nicht verfälschen. Zugleich lässt sich anhand der Langzeitanalyse erkennen, in wieweit Übungsaktivitäten zu- beziehungsweise abnehmen.

Erfasst werden ausnahmslos Übungen mit einer Gesamtstärke von mindestens 1500 Soldaten. Die Zahl entspricht der Untergrenze für eine Brigade, also eines militärischen Großverbandes, der eigenständig operative Aufgaben lösen kann. Sie wird im Rahmen der Analyse als rein numerisches Mindestmaß festgelegt. Andere Kriterien wie etwa die Übungskomplexität oder die Zahl der beteiligten Teilstreitkräfte wären wünschenswert gewesen, kamen aber angesichts unzureichender Daten nicht in Betracht.

Auf russischer Seite werden Kampfbereitschaftsinspektionen besonders gekennzeichnet. Sie wurden bis 1991 in der Sowjetunion abgehalten und im Februar 2013 vom russischen Verteidigungsministerium wieder eingeführt und dienen dazu, die Kriegsbereitschaft militärischer Einheiten zu testen.

Neben der Truppengröße wurde die Zahl der erfassten Ereignisse anhand weiterer Kriterien eingegrenzt. Militärische Wettbewerbe und Paraden wurden ebenso ausgeschlossen wie Rettungsmissionen und Berichte über Kurse im Rahmen der militärischen Grundausbildung. Auch Auslandseinsätze wie in Syrien finden keinerlei Eingang in den Datensatz.

Ansonsten wurden sämtliche Übungen unterschiedslos und unabhängig von ihrer Komplexitätsstufe oder ihres jeweiligen inhaltlichen Schwerpunktes erfasst. Zwischen Schießen, Stabsübungen und Truppenverlegungen wird also nicht unterschieden. Denn Streitkräfte sind in jeder noch so ausgefeilten militärischen Operation auf elementare Fertigkeiten ebenso angewiesen wie etwa auf reibungslose Kommunikation oder zuverlässige Versorgung.

Geographisch werden alle Übungen erfasst, die auf europäischem Nato-Gebiet oder in Russland stattfinden, inklusive den angrenzenden Seegebieten. Hinzu kommen Manöver auf nicht-russischem Territorium, soweit sie an der Nato-Ostflanke erfolgen (Weißrussland) oder auf russisch besetztem Gebiet, das seitens Moskau de facto einem Militärdistrikt zugewiesen worden ist (Krim, Abchasien, Süd-Ossetien). Anders gesagt: Es werden alle Gebiete erfasst, die mit Blick auf einen möglichen Konflikt etwa um die baltischen Staaten oder auch im Schwarzen Meer kurzfristig eine Rolle spielen könnten. Dazu gehören sämtliche europäischen Mitgliedsstaaten der Nato, inklusiver sämtlicher Bündnistruppen und –Stützpunkte, nicht aber Übungen in Amerika, Asien, Afrika, oder dem Nahen Osten. Denn es wird davon ausgegangen, dass all diese Truppen im Konfliktfall kurzfristig nicht zur Verfügung stünden.

Auf Seiten Russlands wird das gesamte Staatsgebiet betrachtet, angesichts offenkundiger Fähigkeiten Moskaus, ungehindert und nach Einschätzung mancher Experten auch weitgehend unbemerkt große Truppenkontingente quer durch das Land an die Nato-Ostflanke zu transportieren. Das bedeutet: Truppen, die sich monatelang im östlichen Militärdistrikt vorbereitet haben, können unvermittelt im westlichen Militärbezirk auftauchen und für einen Einsatz zur Verfügung stehen.

Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, stand die Redaktion während des gesamten Untersuchungszeitraums in engem fachlichen Austausch mit derjenigen Einrichtung, die aus unserer Sicht in der Vergangenheit die umfassendsten und profundesten Analysen zu russischen Manöveraktivitäten vorgelegt hat: Der staatlichen schwedischen Sicherheitsagentur (FOI).

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