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Russland und die Nato : So lassen sich Manöver zählen

So gibt das russische Verteidigungsministerium beispielsweise in seinem englischsprachigen Auftritt die Zahl der beteiligten Soldaten bei seinem Herbstmanöver „Kaukasus 2016“ mit 12.500 Soldaten an. Das liegt knapp unter der Grenze, ab der sich Russland wie alle übrigen OSZE-Staaten verpflichtet hat, ausländische Beobachter zuzulassen und ist für eine strategische Übung eigentlich viel zu wenig. Eine jüngst erschienene Studie der schwedischen Verteidigungsagentur FOI weist  darauf hin, dass das russische Verteidigungsministerium im Nachgang des Manövers die Zahl der beteiligten Truppen in einer russischsprachigen Mitteilung noch auf 120.000 anhob, verteilt auf 14 Übungsgebiete sowie das Schwarze und Kaspische Meer. Über Kampfbereitschaftsinspektionen würde das russische Verteidigungsministerium zudem überhaupt nicht systematisch berichten. Auch bestehen mitunter Zweifel am wahren Zweck militärischer Übungen. So firmierte das im Juni 2017 von Russland, Weißrussland und Serbien gemeinsam durchgeführte Manöver „Slavic Brotherhood 2017“ offiziell als Anti-Terror-Übung. Doch kamen dabei zahlreiche Schützenpanzer und Flugabwehrkanonen zum Einsatz. Das sind eher Hinweise auf eine traditionelle Kampfoperation denn auf ein chirurgisches Vorgehen gegen Terroristen.

Die Nato veröffentlicht ebenfalls Mitteilungen über Militärübungen der Allianz und ihrer Mitglieder, allerdings nicht so umfangreich wie die russische Seite. Hinzu kommt, dass die Aktivitäten des Nordatlantikpakts und seiner Staaten in sehr unterschiedlichen Rahmen abgehalten werden. Manöver unter Nato-Flagge stehen neben multinationalen Übungen, die von einzelnen Bündnismitgliedern organisiert werden und an denen auch befreundete Staaten teilnehmen können, die nicht der Nato angehören. Hinzu kommen auch noch rein nationale Übungen. Auf Seiten des westlichen Bündnisses mussten die Daten daher aus verschiedenen Quellen kompiliert werden. Sie fußen in erster Linie auf Angaben der Nato selbst, auf Anfrage der F.A.Z. Zudem wurden die Verteidigungsministerien sämtlicher Mitgliedsstaaten um entsprechende Angaben gebeten. Etwa ein halbes Dutzend kam der Bitte nach, darunter Deutschland und die Vereinigten Staaten. Wo Angaben unvollständig waren, wurden die Informationen im Einzelfall durch Gegenrecherche auf den Seiten der Streitkräfte des jeweiligen Landes so gut es ging ergänzt. Wie auf russischer Seite kann das so entstandene Bild nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Doch liefert es mit Blick auf die vorgenommenen Eingrenzungen die bestmögliche Näherung.

Welche Daten wurden abgefragt?

Streitkräfte bereiten sich kontinuierlich auf militärische Operationen vor. Dabei ist es schlicht unmöglich, alle Handlungen zu erfassen. Das gilt umso mehr, als es sich längst nicht nur um Übungen zur Gefechtsvorbereitung oder Schießen handelt. Hinzu kommen Aufklärung, Kommunikation, Logistik – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Der Auswertungszeitraum umfasst mehr als zweieinhalb Jahre und reicht vom 1. Januar 2015 bis zum 15. August 2017. Zudem werden die bereits bekannten Manöver bis Ende September 2017 in ihrem voraussichtlichen Umfang projiziert. In der Analyse werden sie nicht berücksichtigt.

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