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Unfall auf Militärgelände : Explodierte Putins Superwaffe?

  • Aktualisiert am

Der russische Präsident Wladimir Putin stellt im März 2018 in Moskau neue Rüstungstechnologien vor; darunter den Marschflugkörper „Burewestnik“, was übersetzt „Sturmvogel“ bedeutet. Im Nato-Jargon wird das Waffensystem als „SSC-X-9 Skyfall“ bezeichnet. Bild: EPA

Mit einem Tweet geht Donald Trump auf einen Verdacht amerikanischer Fachleute ein: Mutmaßlich explodierte bei einem Test im Norden Russlands der Marschflugkörper „Skyfall“ – und damit Putins ganzer Stolz.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat den atomaren Unfall auf einem russischen Militärstützpunkt während der Arbeit an einem neuen Waffensystem als lehrreich für die Vereinigten Staaten bezeichnet. Sein Land lerne viel von dieser „Raketenexplosion“, schrieb Trump am Montag auf Twitter. Trump erwähnte dabei den möglichen Namen des Waffensystems: „Skyfall.“

          Die russische Atombehörde Rosatom hatte zuvor bestätigt, dass die fünf am Donnerstag ums Leben gekommenen Rosatom-Rüstungsexperten an „neuen Waffen“ gearbeitet hatten. Allerdings nannte Rosatom keinen konkreten Waffentyp.

          Zuvor hatte die „New York Times“ berichtet, amerikanische Geheimdienste vermuteten hinter dem explodierten Waffensystem den von der Nato als SSC-X-9 „Skyfall“ bezeichneten Marschflugkörper. Dieser werde atomar betrieben und könne deshalb besonders weit fliegen. Im März 2018 hatte der russische Präsident Wladimir Putin das Waffensystem stolz vorgestellt.

          Weiter schrieb Trump, die Vereinigten Staaten verfügten über eine „ähnliche, aber fortschrittlichere“ Technologie. Der Kreml widersprach: Russische Waffen seien den amerikanischen voraus. Sprecher Dmitri Peskow empfahl dem amerikanischen Präsidenten, sich bei seinen Äußerungen auf die russischen Angaben zu stützen.

          Auch ein amerikanischer Fachmann zog die vom Kreml kritisierte Aussage Trumps in Zweifel. Die Mitteilung des Präsidenten sei „bizarr“, twitterte der Fachmann für Rüstungsangelegenheiten, Joe Cirincione. Die Vereinigten Staaten hätten kein Programm für atomar betriebene Waffensysteme. Cirincione leitet die Stiftung Plougshares Fund, die sich für einen globalen Abbau von Atomwaffen einsetzt.

          Zudem wurde bekannt, dass bei der Explosion des Waffensystems im Norden Russlands über einen längeren Zeitraum radioaktive Strahlung freigesetzt worden war. Der natürliche Wert sei in der Spitze um das Sechzehnfache überschritten worden, teilte der russische Wetterdienst Rosgidromet am Dienstag mit. Erhöhte Werte seien innerhalb von zwei Stunden gemessen worden.

          Die Verwaltung der nordrussischen Stadt Sewerodwinsk am Weißen Meer hatte zuvor lediglich von einem kurzzeitigen Anstieg von bis zu einer Stunde gesprochen. Viele Menschen deckten sich danach mit Jodtabletten ein. Es gab auch im Ausland die Befürchtung, dass die russischen Behörden – wie in der Vergangenheit – nicht über das wahre Ausmaß informiert hätten.

          Der Wetterdienst gab den Höchstwert der atomaren Strahlung mit 1,78 Mikrosievert pro Stunde an. Der natürliche Wert im Raum von Sewerodwinsk liege bei 0,11 Mikrosievert. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach unter Berufung auf die Stadt von 2,0 Mikrosievert pro Stunde. Deren Fachleute hielten den Wert „an sich für nicht dramatisch“. Es komme vielmehr darauf an, welche strahlenden Stoffe freigesetzt worden sein. Dazu gebe es aber keine offiziellen Angaben.

          Der Kreml versicherte, dass alle Behörden die vollständige Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet hätten. „Daran sollte kein Zweifel bestehen“, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.

          Die Verwaltung des zuständigen Gouverneurs dementierten Berichte, wonach die Bewohner eines Dorfes in der Nähe des Testgeländes in Sicherheit gebracht worden seien. „Das ist völliger Unsinn“, hieß es. Dagegen empfahl die Stadt Sewerodwinsk den Dorfbewohnern, ihre Häuser während der Arbeiten auf dem Testgelände vorübergehend zu verlassen.

          Zu dem Vorfall kam es am vergangenen Donnerstag in der Nähe der Hafenstadt Sewerodwinsk nahe Archangelsk während eines Waffensystem-Tests auf einer Plattform im Meer. Die Explosion ereignete sich der Atombehörde Rosatom zufolge, als Treibstoff in Brand geriet.

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