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Russland statt China : Donald Trump und die neue Ordnung der Welt

Amerika im Zentrum: So sieht Donald Trump die Welt. Bild: Nina Simon

Der kommende Präsident der Vereinigten Staaten schickt sich an, mit China zu brechen. Stattdessen setzt er auf einen neuen Verbündeten. Damit sägt er an einem Eckpfeiler der heutigen politischen Stabilität.

          Anfang Dezember bekam Donald Trump einen Anruf aus Taiwan. Die Präsidentin des Landes gratulierte ihm zu seinem Wahlsieg. Zehn Minuten sprachen beide miteinander. Es ging um die „engen Verbindungen wirtschaftlicher, politischer und sicherheitspolitischer Art“, wie Trumps Büro später mitteilte. Der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten setzte sogleich einen Tweet ab, um die Welt von dem Telefonat in Kenntnis zu setzen.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es sah aus wie eine ganz normale Sache. War es aber nicht, nicht im Geringsten. Seit 1979 hatte kein amerikanischer Führer mehr mit seinem taiwanischen Gegenüber gesprochen. Denn seitdem gibt es aus offizieller amerikanischer Sicht dort keine unabhängige Regierung. Taiwan ist einfach nur eine Insel, die zu China gehört, auch wenn es nicht von Peking aus regiert wird. Trump hatte ein Tabu gebrochen. Aber warum eigentlich?

          Ein Affront gegen die chinesische Regierung

          Beobachter, Diplomaten und politische Gegner waren sich darüber schnell einig: Donald Trump war in ein Fettnäpfchen getreten, dessen Ausmaße er nicht einmal erahnen konnte. Ein demokratischer Senator aus Connecticut formulierte es so: „Was in den letzten 48 Stunden geschehen ist, ist keine Verschiebung. Das sind große Schwenks in der Außenpolitik ohne Plan.“ Es sei Zeit, dass das Land endlich einen erfahrenen Kandidaten für das Amt des Außenministers bekomme.

          Das State Department drang darauf, dass der gewählte Präsident sich künftig von Diplomaten beraten lasse, um derlei Unfälle zu vermeiden. Immerhin zeigte sich Peking gnädig. Trump sei eben völlig unerfahren, hieß es von dort. Es gebe keinen Wechsel in der amerikanischen Politik gegenüber China. Die „kleinlichen Handlungen der taiwanischen Seite“ seien an allem schuld. Trump war reingelegt worden, sollte das heißen. Nicht schön, aber kein Grund für böses Blut.

          Die letzten acht Präsidenten hielten an der Ein-China-Politik fest. Donald Trump könnte damit brechen.

          Es war das gängige Deutungsmuster. Trump: Ein Mann, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Ein Immobilien-Mogul, der die Regeln der Politik nicht kennt. Ein Egomane, der heute das sagt und morgen jenes – Hauptsache, er steht im Mittelpunkt. Was kümmert ihn schon sein Getwitter von vorgestern? Trump, das Trumpeltier. Das Muster funktionierte, weil es verführerisch ist: Wer so redet, zeigt gleich, dass er mehr Ahnung hat als der nächste Präsident der Vereinigten Staaten. Das tröstet, wenn schon der Falsche gewonnen hat.

          Aber es vernebelt die Sinne. Zehn Tage nach dem Telefonat äußerte sich Trump dazu in einem Fernsehinterview, es war der Sonntag vor einer Woche. Er verstehe, beteuerte der nächste Präsident, was es bedeute, wenn Amerika Taiwan als festen Bestandteil Chinas betrachte – die sogenannte Ein-China-Politik. Und fuhr dann fort: „Ich weiß nicht, warum wir durch eine Ein-China-Politik gebunden sein sollen, es sei denn, wir schließen einen Deal mit China über andere Dinge, Handel eingeschlossen.“ War es also doch kein Versehen, keine Falle, sondern volle Absicht?

          „The Donald“ hat immer recht

          Trumpologen haben auch dafür eine Erklärung: Wenn er etwas falsch macht, korrigiert er es nicht, sondern verdoppelt den Einsatz. „The Donald“ hat immer recht. Eigentlich ist das nur eine Variante des ersten Musters: Der Mann hat keine Ahnung und schon gar keine Überzeugungen. Wenn sie stimmt, könnte sich die Welt jetzt beruhigt zurücklehnen und grünen Tee trinken.

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