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Cyber-Attacken : Die Hacker des Kremls

„White hats“ und „black hats“ suchen beide nach Lücken im System. Die einen, um sie möglichst schnell zu reparieren, die anderen, um sie möglichst lange auszunutzen. Bild: Getty, Bearbeitung F.A.Z.

Russlands Geheimdienst nutzt das Geschick von Computerkennern. Er kauft ihre Dienste auf dem Schwarzmarkt ein – oder rekrutiert sie in Gefängnissen.

          9 Min.

          Es gibt in Russland nur wenige Hacker, die sich gerne Hacker nennen. Das liegt an zwei Dingen: Russen denken bei dem Wort „Hacker“ nicht an Computerspezialisten, sondern an Kreditkartenbetrüger. Und Ausländer denken, wenn sie „Hacker“ und „Russland“ hören, auch nicht an Computerspezialisten, sondern an vom Kreml gesteuerte Cyberattentäter.

          Katharina Wagner
          (mkwa.), Wirtschaft

          So kommt es, dass auf einer der wichtigsten Hackerkonferenzen Russlands, den „Zeronights“, kaum ein Teilnehmer überhaupt noch Hacker sein möchte. Dabei lautet immerhin das Motto der Veranstaltung „It’s hack o’clock“. Aber die Leute dort wollen lieber „Forscher“ sein oder, im Hackerjargon für IT-Sicherheitsexperten: „white hats“. Kriminelle Hacker heißen „black hats“, beides kommt aus alten amerikanischen Western, in denen der Gute am weißen, der Böse am schwarzen Cowboyhut zu erkennen ist. „White hats“ und „black hats“ suchen beide nach Lücken im System. Die einen, um sie möglichst schnell zu reparieren, die anderen, um sie möglichst lange auszunutzen.

          Auf den „Zeronights“ im Moskauer Sowjethotel „Kosmos“ fallen viele englische Wörter. Fachfremden Besuchern hilft das allerdings auch nicht dabei, die Vorträge zu verstehen. Es geht um Cybersicherheit, und auf der Bühne findet eine Art Show-Hacken statt: Mitarbeiter von IT-Unternehmen erklären, wie neu entdeckte Sicherheitslücken funktionieren, das Publikum gibt die vorgegebenen Befehle ein. Im Saal hört man nichts außer dem Klicken der Tastaturen, es riecht nach Schweiß.

          Russische Cyberattacken? Erfindungen amerikanischer Softwareverkäufer

          Die meisten Besucher sind Männer zwischen 20 und 40, die Erkennungszeichen sind die gleichen wie im Westen: schwarze T-Shirts, Rucksäcke, beklebte Laptops. Das Haar ist länger als üblich in Russland, aber kürzer als beim deutschen Chaos Computer Club. Große russische IT-Unternehmen haben Werbestände aufgebaut, an denen Hackwettbewerbe stattfinden und gelötet wird. An einem stehen knapp bekleidete Hostessen einsam für Fotos bereit.

          Alles läuft sehr professionell ab, eine Pressesprecherin organisiert Termine mit den gewünschten Interviewpartnern. Die sind höflich und freundlich – bis zur ersten Frage über die Verbindungen von Hackerszene und russischem Staat. Über Politik wüssten sie nichts, heißt es dann, einer sagt, es sei für einen Hacker „unethisch“, über Politik zu reden. Und Hackergruppen wie „Fancy Bear“, die im Auftrag des Kremls die Server der Demokraten gehackt haben sollen, seien bloß Erfindungen amerikanischer Softwareverkäufer. Geschicktes Marketing, um mehr Antivirusprogramme zu verkaufen. Darunter würden sie dann leiden – ihre Geschäfte seien eingebrochen.

          Es hätte also recht langweilig werden können, wäre da nicht noch ein weiterer Hacker aufgetaucht, früher „black“, heute „white hat“, der in Bulgarien lebt, weil es ihm nach der Annexion der Krim zu „ungemütlich“ wurde in Russland. Er ist bereit, über Politik zu reden, vor allem zu schreiben, in verschlüsselten Mails. Ohnehin stellt sich heraus, dass russische Hacker im Exil die besseren Gesprächspartner sind.

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